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Erfahrung als First Year in einer Großkanzlei
Ex-GK
Senior Member
****
Beiträge: 340
Themen: 0
Registriert seit: Oct 2022
#11
03.07.2026, 15:05
(03.07.2026, 14:36)NRW556 schrieb:  
(03.07.2026, 14:05)Ex-GK schrieb:  Ich möchte noch ergänzen: Ich verstehe Dich gut. Viele von uns (unabhängig von GK) kämpfen gerade zu Beginn mit Selbstzweifeln und Juristen sind allgemein eher der Gruppe "high achiever" zuzuordnen. In dieser Gruppe ist es nicht ungewöhnlich, dass Kritik sehr auf das Selbstbewusstsein schlägt. Mir hat geholfen, mich auf den Job der vor mir liegt zu konzentrieren und mein Bestes zu geben, Kritik danach anzunehmen und es beim nächsten Mal umzusetzen und besser zu machen. Fehler passieren, aber der gleiche Fehler sollte sich nicht wiederholen. Versuche zwischen "geschmacklichen" Themen und echten Korrekturen zu unterscheiden. Eigne Dir dann den präferierten Formulierungsstil an und arbeite daran, gründlich zu arbeiten, stimme Dich auch zwischendurch ab. Die Leute in der Kanzlei sind nicht Deine Freunde (können es aber werden). Man denkt idR an sich und sein Fortkommen - jeder wird bewertet, ob vom Partnerkreis, Mandanten, anderen Associates und steht unter Druck. Eine gewisse Resilienz ist grds. wichtig, aber insb. als externer Berater. Es ist nur ein Job und nicht Dein Lebensinhalt. Wenn es Dir langfristig nicht gut geht, tu Dir einen Gefallen und suche etwas Passendes. Ich persönlich habe überwiegend in den GKen positive Erfahrungen gemacht, aber selbst dann hat eine andere Person den gleichen Partner sehr anders erlebt. Es gab bei uns einen Counsel, mit dem keiner klarkam und mit dem manche Teams explizit nicht mehr arbeiten wollten, aber er war fachlich top und wir haben seinen Input regelmäßig gebraucht. Ich fand ihn auch sehr schwierig, aber ich habe mir immer hart auf die Zunge gebissen und eher eigenartige Kritik/Sprüche ignoriert. Er war halt so und es war einfacher, den Quatsch auszublenden als zurückzupöbeln, weil ich kein Mitspracherecht hatte, wer mit uns arbeitet. Was hätte es gebracht? Ich habe ein paar Mal mitbekommen, wie es war, wenn man mal gegen ihn geschossen hat und das hätte die Zusammenarbeit nur erschwert. Ich habe sogar gelernt ihn auf seine Art zu mögen, als er mir von ein paar Hobbies erzählt hat und ich gemerkt habe, dass er richtig lustige Interessen hat und möglicherweise etwas neurodivergent sein könnte. Selbst wenn er ohne Neurodivergenz so ist, Du wirst die Leute nicht ändern können und mE ist es dann sinnvoller, für sich selbst zu definieren, wie man damit umgeht (idR ignorieren). Es ist halt menschlich, dass man nicht mit jedem und/oder jeder Umgebung gleich gut umgehen kann.

Zurückschießen mit blöden Sprüchen gegenüber einer Person welcher man selbst eine Bringschuld hat, ist halt blöd. 

Die Frage ist eben würde ich es einer anderen Person erlauben, mit mir so umzugehen im privaten Leben ?

Viele Partner in GK‘s ( #notAll) scheinen einfach nur bessere Edelhuren ihrer Mandanten zu sein und haben sich damit abgefunden bzw. definieren sich und ihre Associates darüber.

Naja, manche Leute können sich nicht so gut zusammenreißen ;) ich kann das auch irgendwie nachvollziehen, wenn jemand ständig nervt, platzt man auch mal, aber am Ende kann man es auch einfach ignorieren, so gut es geht. Es wird immer Leute mit mittelmäßiger Selbstkontrolle geben, deswegen meinte ich, man kann den Gegenüber nicht ändern, aber seinen eigen Umgang und Reaktion damit. Ich persönlich trenne auch zwischen Berufs- und Privatleben. In meinem Privatleben liegt mir etwas an den Menschen - bei den meisten KollegInnen, mit denen ich keine private Beziehung habe, erwarte ich über sachliche Kommunikation und einen Grundrespekt nicht viel. Ich finde natürlich nicht jeden Umgang im Job geil, aber ich stelle mir dann die Fragen, ob es mich wirklich so stört, dass ich es jetzt anspreche und auch, was die negativste Konsequenz ist, wenn ich was sage. Bin ich nicht bereit, die Konsequenz zu tragen, schlucke ich es runter. Es ist nur ein Job und wenn man es nicht mehr aushält, dann geht man. Man soll natürlich nicht duckmäuserisch sein, aber auch ein nicht angemessener Ton würde mich in vielen Fällen nicht so sehr belasten, dass ich deswegen Diskussionen über "Du könntest weniger kacke sein" führen will. Wenn es ein konstantes Thema ist und Du es ansprechen willst, erwarte nicht zu viel Entgegenkommen. Am Ende ist es ein Job und als Junior ist man oft nicht "wichtig" genug, dass sich ein erwachsener Mensch für Dich verändern wird. Man muss dann eigenverantwortlich sein und für sich entscheiden, ob man es durchhält/damit umgehen kann oder dann halt die Reißleine ziehen oder eben irgendwann im Burnout landen.

Edelhure würde ich nicht sagen. Eine Kanzlei muss Umsatz machen, da gibt es Druck auf jeder Ebene. Ohne Mandanten gibt es kein Geld und keine Arbeit. Man kann Mandanten bis zu einem gewissen Grad Grenzen aufzeigen, aber am Ende gibt es andere Kanzleien, die dann die Ansprüche des Mandanten erfüllen. Das ist sicherlich einer der Hauptgründe, warum man sich von Mandanten viel Gefallen lässt. Du kannst auch als First Year intern immer wieder sagen, nein ich mache das nicht, keine Kapa und täglich um 19 Uhr nach Hause gehen. Dann wirst Du irgendwann halt keine guten Aufträge mehr kriegen und ohne passende KPIs wirst Du irgendwann gebeten zu gehen. Dienstleister eben, Kunde will was und sucht dann eben denjenigen, der es für ihn auf die gewünschte Art macht und die Allerwenigsten von uns sind solche Einhörner, dass wir nicht intern/extern ersetzt werden können durch jemanden, der bereit ist, den ganzen Spaß mitzumachen.
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Philosophenchiller
Junior Member
**
Beiträge: 43
Themen: 3
Registriert seit: Jan 2025
#12
03.07.2026, 15:19
Auf der einen Seite gibt es selbstverständliche und richtige Kritik, wenn etwas fachlich (noch) nicht perfekt ist.

Auf der anderen Seite gibt es Punkte, bei denen es letztlich Geschmacksfrage ist und nicht um inhaltliche Richtigkeit geht - hier gestehen einige Chefs Spielraum zu, andere erwarten, dass der Angestellt exakt den eigenen Stil kopiert.

Aber genau wie es völlig unbelehrbare und nicht kritikfähige Angestellte gibt, gibt es auch sogenannte "schwierige Chefs". Einige Menschen ziehen tatsächlich ihr Selbstwertgefühl - in aller Regel unbewusst - daraus, immer andere zu kritisieren. Da wird dir Methode A als richtig hingestellt, wenn du Methode B wählst - und am nächsten Tag, wenn du Methode A wählst, wird dir erklärt, Methode B sei die richtige. Wenn du den anderen damit konfrontierst, wird das als Lüge abgestritten. Manchen Menschen kann man es - das muss man einfach ehrlicherweise zugestehen - nie Recht machen. (Die übliche Kritik, die Situation sei eben nicht vergleichbar gewesen, sei an dieser Stelle antizipiert; das Auftreten dieser Konstellation entkräftet nicht die Existenz der hier geschilderten gegenteiligen Situation).

Nach der Anerkennung solcher Menschen zu streben - egal ob Chef, Freund, Partner oder Eltern - macht auf Dauer nur kaputt. Da muss man sich dann tatsächlich komplett von externem Feedback abkoppeln. Oder eben wechseln, sofern das möglich ist.

Wenn du noch im ersten Jahr bist, ist letzteres freilich unwahrscheinlich und wahrscheinlicher, dass du noch viel zu lernen hast.
Aber es gibt diese Kategorie Mensch eben auch.
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Freidenkender
Posting Freak
*****
Beiträge: 818
Themen: 1
Registriert seit: Mar 2022
#13
03.07.2026, 16:11
(03.07.2026, 15:05)Ex-GK schrieb:  
(03.07.2026, 14:36)NRW556 schrieb:  
(03.07.2026, 14:05)Ex-GK schrieb:  Ich möchte noch ergänzen: Ich verstehe Dich gut. Viele von uns (unabhängig von GK) kämpfen gerade zu Beginn mit Selbstzweifeln und Juristen sind allgemein eher der Gruppe "high achiever" zuzuordnen. In dieser Gruppe ist es nicht ungewöhnlich, dass Kritik sehr auf das Selbstbewusstsein schlägt. Mir hat geholfen, mich auf den Job der vor mir liegt zu konzentrieren und mein Bestes zu geben, Kritik danach anzunehmen und es beim nächsten Mal umzusetzen und besser zu machen. Fehler passieren, aber der gleiche Fehler sollte sich nicht wiederholen. Versuche zwischen "geschmacklichen" Themen und echten Korrekturen zu unterscheiden. Eigne Dir dann den präferierten Formulierungsstil an und arbeite daran, gründlich zu arbeiten, stimme Dich auch zwischendurch ab. Die Leute in der Kanzlei sind nicht Deine Freunde (können es aber werden). Man denkt idR an sich und sein Fortkommen - jeder wird bewertet, ob vom Partnerkreis, Mandanten, anderen Associates und steht unter Druck. Eine gewisse Resilienz ist grds. wichtig, aber insb. als externer Berater. Es ist nur ein Job und nicht Dein Lebensinhalt. Wenn es Dir langfristig nicht gut geht, tu Dir einen Gefallen und suche etwas Passendes. Ich persönlich habe überwiegend in den GKen positive Erfahrungen gemacht, aber selbst dann hat eine andere Person den gleichen Partner sehr anders erlebt. Es gab bei uns einen Counsel, mit dem keiner klarkam und mit dem manche Teams explizit nicht mehr arbeiten wollten, aber er war fachlich top und wir haben seinen Input regelmäßig gebraucht. Ich fand ihn auch sehr schwierig, aber ich habe mir immer hart auf die Zunge gebissen und eher eigenartige Kritik/Sprüche ignoriert. Er war halt so und es war einfacher, den Quatsch auszublenden als zurückzupöbeln, weil ich kein Mitspracherecht hatte, wer mit uns arbeitet. Was hätte es gebracht? Ich habe ein paar Mal mitbekommen, wie es war, wenn man mal gegen ihn geschossen hat und das hätte die Zusammenarbeit nur erschwert. Ich habe sogar gelernt ihn auf seine Art zu mögen, als er mir von ein paar Hobbies erzählt hat und ich gemerkt habe, dass er richtig lustige Interessen hat und möglicherweise etwas neurodivergent sein könnte. Selbst wenn er ohne Neurodivergenz so ist, Du wirst die Leute nicht ändern können und mE ist es dann sinnvoller, für sich selbst zu definieren, wie man damit umgeht (idR ignorieren). Es ist halt menschlich, dass man nicht mit jedem und/oder jeder Umgebung gleich gut umgehen kann.

Zurückschießen mit blöden Sprüchen gegenüber einer Person welcher man selbst eine Bringschuld hat, ist halt blöd. 

Die Frage ist eben würde ich es einer anderen Person erlauben, mit mir so umzugehen im privaten Leben ?

Viele Partner in GK‘s ( #notAll) scheinen einfach nur bessere Edelhuren ihrer Mandanten zu sein und haben sich damit abgefunden bzw. definieren sich und ihre Associates darüber.

Naja, manche Leute können sich nicht so gut zusammenreißen ;) ich kann das auch irgendwie nachvollziehen, wenn jemand ständig nervt, platzt man auch mal, aber am Ende kann man es auch einfach ignorieren, so gut es geht. Es wird immer Leute mit mittelmäßiger Selbstkontrolle geben, deswegen meinte ich, man kann den Gegenüber nicht ändern, aber seinen eigen Umgang und Reaktion damit. Ich persönlich trenne auch zwischen Berufs- und Privatleben. In meinem Privatleben liegt mir etwas an den Menschen - bei den meisten KollegInnen, mit denen ich keine private Beziehung habe, erwarte ich über sachliche Kommunikation und einen Grundrespekt nicht viel. Ich finde natürlich nicht jeden Umgang im Job geil, aber ich stelle mir dann die Fragen, ob es mich wirklich so stört, dass ich es jetzt anspreche und auch, was die negativste Konsequenz ist, wenn ich was sage. Bin ich nicht bereit, die Konsequenz zu tragen, schlucke ich es runter. Es ist nur ein Job und wenn man es nicht mehr aushält, dann geht man. Man soll natürlich nicht duckmäuserisch sein, aber auch ein nicht angemessener Ton würde mich in vielen Fällen nicht so sehr belasten, dass ich deswegen Diskussionen über "Du könntest weniger kacke sein" führen will. Wenn es ein konstantes Thema ist und Du es ansprechen willst, erwarte nicht zu viel Entgegenkommen. Am Ende ist es ein Job und als Junior ist man oft nicht "wichtig" genug, dass sich ein erwachsener Mensch für Dich verändern wird. Man muss dann eigenverantwortlich sein und für sich entscheiden, ob man es durchhält/damit umgehen kann oder dann halt die Reißleine ziehen oder eben irgendwann im Burnout landen.

Edelhure würde ich nicht sagen. Eine Kanzlei muss Umsatz machen, da gibt es Druck auf jeder Ebene. Ohne Mandanten gibt es kein Geld und keine Arbeit. Man kann Mandanten bis zu einem gewissen Grad Grenzen aufzeigen, aber am Ende gibt es andere Kanzleien, die dann die Ansprüche des Mandanten erfüllen. Das ist sicherlich einer der Hauptgründe, warum man sich von Mandanten viel Gefallen lässt. Du kannst auch als First Year intern immer wieder sagen, nein ich mache das nicht, keine Kapa und täglich um 19 Uhr nach Hause gehen. Dann wirst Du irgendwann halt keine guten Aufträge mehr kriegen und ohne passende KPIs wirst Du irgendwann gebeten zu gehen. Dienstleister eben, Kunde will was und sucht dann eben denjenigen, der es für ihn auf die gewünschte Art macht und die Allerwenigsten von uns sind solche Einhörner, dass wir nicht intern/extern ersetzt werden können durch jemanden, der bereit ist, den ganzen Spaß mitzumachen.

aus Mandantensicht: einer der wichtigsten Gründe für die Mandatierung einer GK ist die Schnelligkeit und hohe zeitliche Verfügbarkeit. Die juristische Qualität kann ich mir mit etwas Marktkenntnis auch woanders (billiger) einkaufen. Daher ist es schwierig, hier die Mandanten zu erziehen.
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