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KI-feste Rechtsgebiete
aspangarius
Member
***
Beiträge: 52
Themen: 8
Registriert seit: Mar 2025
#1
08.12.2025, 13:41
Hallo,

nennt mir einige Rechtsgebiete, welche gegen KI gewappnet sind. 

Wo kann der Jurist nicht ersetzt werden?

Wo kann der Jurist easy ersetzt werden?

Bin auf eure Einschätzungen gespannt.
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PaulePanther
Junior Member
**
Beiträge: 22
Themen: 0
Registriert seit: Mar 2025
#2
08.12.2025, 13:55
Spontan fallen mir zwei Bereiche ein: 

Einmal wenn die zwischenmenschliche Komponente wichtig ist (insb. Familiensachen, aber auch Strafverteidigung), zum anderen wenn es um die ethische Frage der Verantwortlichkeit von Computern geht (Dort dann insb Justiz). Sprich: Wer will sich von einer KI zu Knast verurteilen lassen?

Aber auch bei diesen Bereichen wird mMn die KI Arbeit abnehmen, sprich Stellen  wegfallen lassen. Ob das netto auch zu einer höheren Arbeitslosigkeit führt (gegenläufige Faktoren wie demographischer Wandel spielen eine Rolle) finde ich schwer abzuschätzen.
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Patenter Gast
Posting Freak
*****
Beiträge: 767
Themen: 0
Registriert seit: Oct 2022
#3
08.12.2025, 13:58
So pauschal nicht zu beantworten. KI wird in jedem Rechtsgebiet eingesetzt werden; die Frage ist mehr, wie der jeweilige Rechtsbereich (und noch mehr die jeweiligen Anwälte) mit der KI arbeiten werden.

Am Ende wird alles weiter für Anwälte relevant bleiben, was eine strategische Beratung der Mandanten verlangt. Ich hatte vor kurzem beispielsweise einen Call mit einer Mandantin, es ging kurzgesagt um Vertragsprüfung. Sicher, das kann eine KI irgendwann in der Zukunft vernünftig machen. Der Mandant wusste aber gar nicht so richtig, was er als Ergebnis haben will - also ist es für ihn besser, wenn der Vertrag unwirksam ist, nachverhandelt wird, bestehen bleibt, etc. Das heißt, wir haben erstmal eine Stunde lang über sein Business gesprochen, die Auswirkungen des Vertrags darauf und was er sich vorstellen kann. So haben wir uns herangetastet an das, was seine Unternehmensstrategie hierzu sein wird. Das kann keine KI machen.
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Freidenkender
Posting Freak
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Beiträge: 819
Themen: 1
Registriert seit: Mar 2022
#4
08.12.2025, 15:55
KI wird überall eingesetzt werden. Die Frage muss eher lauten: wie wird sich der Job dadurch verändern? Das ist wiederum sehr speziell. Jedes Rechtsgebiet ist anders, aber es ist auch sehr unterschiedlich, wo du arbeitest, wer die Fragesteller sind, was das erwartete Ergebnis sein soll....

Der Job wird sich verändern. Er wird dir als Jurist helfen, Fragen schneller zu beantworten. Einfachere Recherche oder Aufbereitung von Sachverhalten wird vereinfacht. Erfahrungswissen, taktisches Gespür und soziale Kompetenzen werden wichtiger

trotzdem wird man Juristen weiterhin brauchen. Es gehen die nächsten Jahre so viel Kolleg:innen in Ruhestand, dass m.E. niemand Angst um seinen Job haben muss, wenn er sich auf die neue Technik einlässt

Ich habe zu einer Zeit studiert, da gab es an der Uni am Anfang kein Juris. Als das bei uns eingeführt wurde, waren auch plötzlich alle der Meinung, dass es nun abwärts gehen würde. Nein es wurde nur anders.
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Bln2024
Member
***
Beiträge: 105
Themen: 4
Registriert seit: Jun 2024
#5
08.12.2025, 16:16
Vorweg: Ich denke schon, dass Legal Tech mittelfristig Associate-Stellen verringern wird, sobald Tools wie Harvey noch besser werden (& das werden sie). Das will hier keiner - auch ich nicht - hören, aber wir führen bei uns im Team die Diskussion schon jetzt aktiv. Zum einen denken manche Partner, dass sie dadurch profitabler werden, weil AI in der Beratung hilft mehr Mandate abzuarbeiten während man weniger Associate(-arbeit) benötigt (was aus meiner Sicht zu kurz gedacht ist, denn wenn auch die Konkurrenten AI nutzen - und das werden sie - dann regelt sich das durch geringere Stundensätze im Wettbewerb). Zum Anderen habe ich jetzt mehrmals von Mandanten, gerade auf Entscheidungsebene, gehört, dass sie kostensensitiver werden, da sie die Arbeit durch Legal Tech erwarten (und teilw. die Wertigkeit und Möglichkeiten aktueller AI im RA-Bereich wesentlich überschätzen oder überschätzen wollen).

Vor diesem Hintergrund werden gerade transaktionslastige Bereiche aus meiner Sicht zuerst und am Stärksten von AI-Einsatz/Ersatz betroffen. Das ist der Fall, da Legal Tech da besonders effektiv ist, wo Arbeitsvorgänge skalierbar sind, weil sie wiederholbar sind. Due Dilligence ist hier der beste Anwendungsbereich und betrifft v. a. M&A, aber auch Corporate und PE. Wesentlich weniger betroffen sind die Rechtsbereiche, die (1) eher Einzelfallsarbeit produzieren im Ergebnis, z. B. ÖR, (2) durch zwischenmenschliche Interaktion besonders geprägt sind, also SozialR/FamR/StrafR etc. (hier will der Mandant schlicht keine AI!) und (3) Bereiche, wo AI gar nicht eingesetzt werden kann, also v. a. bei der gerichtlichen Entscheidungsfindung/der StA.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 08.12.2025, 16:21 von Bln2024.)
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Engstirn Bräsigmann
Junior Member
**
Beiträge: 14
Themen: 5
Registriert seit: Dec 2022
#6
08.12.2025, 20:28
Jedenfalls im Feld-, Wald- und Wiesenbereich bist du ziemlich safe.

Ich lebe im wirtschaftsstarken Baden. Ich kenne Kanzleien hier, die drucken ausfüllbare .pdf-Dateien aus und beschriften diese mit einer SCHREIBMASCHINE. Ebenso wie einige Kanzleien hier keine oder eine im Look "Windows 95" gestaltete Website haben. Das ist dann deine Konkurrenz.

Des Weiteren höre ich selbst von Leuten +/- 20, dass sie, wenn sie Rechtsberatung suchen, ihren Anwalt auch persönlich sehen bzw. treffen wollen. Nichts mit "virtueller Kanzlei" und Teams-Meeting oder auch nur Telefonieren statt persönliches Treffen. Zum Beispiel im Erbrecht ist die Mandantschaft 70+. Die wollen Händeschütteln und in die Kanzlei kommen, ein persönliches Vertrauensverhältnis aufbauen. Zur mündlichen Verhandlung taucht man dann auch weiterhin, wahrscheinlich auch in 20 Jahren noch persönlich auf. Video-Verhandlungen sind die absolute Ausnahme, viele Richter tippen mit zwei Fingern oder arbeiten mit Diktiergerät. Ich erinnere auch jüngere (in ihren 30ern) AG-Leiter von uns, die vollkommen überfordert damit waren, ein WebEx-Meeting aufzusetzen und durchzuführen.

Das dürfte einigermaßen verallgemeinerungsfähig sein. Von Wirtschaftsrecht würde ich eher die Finger lassen. Unternehmen haben, v.a. wenn die deutsche Wirtschaft in den nächsten Jahren und Jahrzehnten abgewickelt wird, Spar- und Rationalisierungsdruck. Es wird nicht mehr eingesehen, warum zwei oder mehr Anwälte dutzende Stunden für eine DD oder ein Memo billen, wenn irgendeine KI ein (wenn vielleicht auch falsches) Ergebnis binnen Sekunden ausspuckt. Mittelfristig denke ich, wird die Stundenvergütung durch Festpreise ersetzt werden. Stellen für Berufseinsteiger wird es immer weniger geben, weil man die regelmäßig nicht sehr anspruchsvollen Routineaufgaben sehr viel effizienter durch KI wird erledigen lassen können und der Mandant nicht für die Einarbeitung des frischgebackenen Associates wird zahlen wollen. Kanzleien werden von Unternehmen aber trotzdem noch mandatiert werden, schon aus Haftungsgründen.

Natürlich wird es auch eine immer weiter wachsende Menge an Leuten geben, die Legal Tech Lösungen in Anspruch nehmen. So hat zum Beispiel Flightright im Bereich Fluggastrechte einen Großteil des Geschäfts abgegraben. Wenn jemand eine Wohnung vermieten will, geht er nicht mehr zum Anwalt, sondern benutzt eine kostenlos verfügbare Vorlage für einen Standard-nicht-gewerblichen-Wohnraum-Mietvertrag, den er in zwei Sekunden ergoogelt hat. Der mag zwar Schrott und eventuell von 2007 sein. Das ist dem Otto-Normal-Mandanten aber oft nicht bewusst oder egal, da 95 % der Mietverhältnisse nicht in einem Rechtsstreit enden, in dem es auf die Wirksamkeit irgendwelcher bestimmter Klauseln ankäme. Mit ChatGPT und Co. kann der Vermieter die Vorlage jetzt sogar nochmal in ein paar Sekunden auf Red Flags prüfen lassen.

Dennoch denke ich: Alle Gebiete, in denen man mit "normalen Bürgern" zu tun hat und regelmäßig auch vor Gericht muss, sind einigermaßen safe. Wenn man dann noch das Potenzial von KI und sonstigen Digitalisierungsmöglichkeiten (vgl. oben Schreibmaschinen-Beispiel) nutzt, um die Kostenquote zu drücken, ist KI primär eine Chance und nichts, wovor wir Angst haben müssen.

Kleines P.S. zum Thema "wer will sich von der KI in den Knast schicken lassen?": Höre ich immer öfter. Leute hassen es, dass Jura keine Mathematik ist und man nicht einfach aussagen kann "wer einen VW Passat stiehlt, muss zwei Jahre ins Gefängnis". Gerade von Auti... ähm Ingenieuren und NaWis höre ich, dass KI da mittelfristig sehr viel berechenbarer und objektiver, frei von persönlichen Vorurteilen usw. sein und daher einem menschlichen Richter vorzuziehen sei.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 08.12.2025, 20:32 von Engstirn Bräsigmann.)
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Sesselpupser
Member
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Beiträge: 164
Themen: 2
Registriert seit: Mar 2024
#7
08.12.2025, 21:03
Eben. Wollt ihr zum Arzt gehen und dem eure Wehwehchen persönlich schildern, und wenn möglich ein paar aufmunternde Worte dazu, neben dem reinen Behandlungserfolg, oder ist es euch egal dass ihr irgendwas in den Computer eintippt, und dann nicht mal sehen könnt ob der Onkel Doc euch überhaupt wirklich zuhört bzw. richtig liest, oder nebenbei noch isst, am Handy Tetris spielt oder was auch immer. Klar, Anwaltliche Beratung geht selten um Leben und Tod, aber erfordert ebenso ein Vertrauensverhältnis. Und ist eben kein Kauf von irgendwas den man problemlos über Amazon abwickelt. Ich will auch als junger Mensch sehen, wer da als mein Anwalt, Arzt oder Steuerberater sitzt, ob er mir kompetent erscheint etc. Und sowas menschelt halt doch, ob man zu jemanden Vertrauen aufbaut oder eben nicht. Insofern, die KI und rein digitale Beratung wird den Anwalt nicht ersetzen. Und den Arzt auch nicht.
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Praktiker
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Beiträge: 2.270
Themen: 0
Registriert seit: Apr 2021
#8
08.12.2025, 22:58
(08.12.2025, 20:28)Engstirn Bräsigmann schrieb:  Wenn jemand eine Wohnung vermieten will, geht er nicht mehr zum Anwalt, sondern benutzt eine kostenlos verfügbare Vorlage für einen Standard-nicht-gewerblichen-Wohnraum-Mietvertrag, den er in zwei Sekunden ergoogelt hat. Der mag zwar Schrott und eventuell von 2007 sein. Das ist dem Otto-Normal-Mandanten aber oft nicht bewusst oder egal, da 95 % der Mietverhältnisse nicht in einem Rechtsstreit enden, in dem es auf die Wirksamkeit irgendwelcher bestimmter Klauseln ankäme.

Kein Mensch geht zum Anwalt zum Entwerfen eines Wohnraummietvertrags. Im Schreibwarenladen gibt es ein Formular von Haus und Grund. Hier trifft KI allein den Schreibwarenladen...
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Engstirn Bräsigmann
Junior Member
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Beiträge: 14
Themen: 5
Registriert seit: Dec 2022
#9
09.12.2025, 06:46
(08.12.2025, 22:58)Praktiker schrieb:  
(08.12.2025, 20:28)Engstirn Bräsigmann schrieb:  Wenn jemand eine Wohnung vermieten will, geht er nicht mehr zum Anwalt, sondern benutzt eine kostenlos verfügbare Vorlage für einen Standard-nicht-gewerblichen-Wohnraum-Mietvertrag, den er in zwei Sekunden ergoogelt hat. Der mag zwar Schrott und eventuell von 2007 sein. Das ist dem Otto-Normal-Mandanten aber oft nicht bewusst oder egal, da 95 % der Mietverhältnisse nicht in einem Rechtsstreit enden, in dem es auf die Wirksamkeit irgendwelcher bestimmter Klauseln ankäme.

Kein Mensch geht zum Anwalt zum Entwerfen eines Wohnraummietvertrags. Im Schreibwarenladen gibt es ein Formular von Haus und Grund. Hier trifft KI allein den Schreibwarenladen...

Inwiefern widerspricht das dem, was ich geschrieben habe? Früher war es anders. Die Generation meines Vaters (Jg. '49) ist auch für sowas noch zum Anwalt gegangen.
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