10.06.2023, 20:17
Was ich an dem Plan ziemlich komisch finde ist die Reihenfolge der getroffenen Entscheidungen.
Also du machst eine Analyse welches Rechtsgebiet, bzw welche Spezialisierung gut sein könnte und die willst du dann anbieten?
Also ich würde eher rausfinden was ich selbst kann und dann überlegen wo ich das anbieten kann. Wenn deine Analyse jetzt ergibt, dass in Stadt X ein Bedarf an Anwälten im Bergrecht besteht, kannst du ja nicht einfach sagen, dass mache ich jetzt und fertig...
Also du machst eine Analyse welches Rechtsgebiet, bzw welche Spezialisierung gut sein könnte und die willst du dann anbieten?
Also ich würde eher rausfinden was ich selbst kann und dann überlegen wo ich das anbieten kann. Wenn deine Analyse jetzt ergibt, dass in Stadt X ein Bedarf an Anwälten im Bergrecht besteht, kannst du ja nicht einfach sagen, dass mache ich jetzt und fertig...
10.06.2023, 23:38
(10.06.2023, 20:17)Chill3r schrieb: Also ich würde eher rausfinden was ich selbst kann und dann überlegen wo ich das anbieten kann. Wenn deine Analyse jetzt ergibt, dass in Stadt X ein Bedarf an Anwälten im Bergrecht besteht, kannst du ja nicht einfach sagen, dass mache ich jetzt und fertig...
Ne, aber wenn du gerne Bergrecht machen möchtest und feststellst, dass es in deiner Stadt schon 10 Bergrechtskanzleien gibt, dann suchst du dir vielleicht lieber ein anderes Rechtsgebiet?
Ich stimme aber den Skeptikern zu, dass ich so eine Analyse für ziemlich fragwürdig halte. Es gibt zu viele Variablen, die man dann auch noch nur schätzen kann. Am Ende kommt irgendwas raus, was richtig sein kann, genauso gut aber falsch. Selbst wenn es grundsätzlich möglich wäre, so eine Analyse zu erstellen, wird einem das beim ersten Mal nur selten richtig gelingen.
Klingt für mich also nach bloßer Selbstberuhigung, indem man auf vermeintlich eigene Fähigkeiten vertraut durch eine vermeintlich wissenschaftliche Methode, von der man allerdings keine Ahnung hat. Dann kann man aber auch gleich eine Münze werfen.
11.06.2023, 09:23
(10.06.2023, 23:38)sl4442 schrieb:(10.06.2023, 20:17)Chill3r schrieb: Also ich würde eher rausfinden was ich selbst kann und dann überlegen wo ich das anbieten kann. Wenn deine Analyse jetzt ergibt, dass in Stadt X ein Bedarf an Anwälten im Bergrecht besteht, kannst du ja nicht einfach sagen, dass mache ich jetzt und fertig...
Ne, aber wenn du gerne Bergrecht machen möchtest und feststellst, dass es in deiner Stadt schon 10 Bergrechtskanzleien gibt, dann suchst du dir vielleicht lieber ein anderes Rechtsgebiet?
Ich stimme aber den Skeptikern zu, dass ich so eine Analyse für ziemlich fragwürdig halte. Es gibt zu viele Variablen, die man dann auch noch nur schätzen kann. Am Ende kommt irgendwas raus, was richtig sein kann, genauso gut aber falsch. Selbst wenn es grundsätzlich möglich wäre, so eine Analyse zu erstellen, wird einem das beim ersten Mal nur selten richtig gelingen.
Klingt für mich also nach bloßer Selbstberuhigung, indem man auf vermeintlich eigene Fähigkeiten vertraut durch eine vermeintlich wissenschaftliche Methode, von der man allerdings keine Ahnung hat. Dann kann man aber auch gleich eine Münze werfen.
Wenn man zu den wenigen Universalgenies gehört kann man das natürlich machen. Ich wollte darauf hinaus, dass man bestenfalls eine Spezialisierung haben sollte, bevor man sich selbstständig macht. Also ich zB könnte nur eine Spezialisierung anbieten, dementsprechend könnte ich mir maximal Gedanken darum machen, wo ich das anbiete und wie ich meine Spezialisierung vermarkte. Aber einfach aufgrund der Marktsättigung in meiner Stadt ein anderes Rechtsgebiet anbieten könnte ich jetzt nicht. Im Arbeitsrecht würde ich wahrscheinlich nichtmal das Gericht finden...
11.06.2023, 12:11
Natürlich solltest du eine Spezialisierung auf ein oder zwei Rechtsgebiete haben, die dir liegen und mit denen du dich in der Zukunft beschäftigen möchtest. Wie ich früher schon geschrieben habe, es geht darum, ob die anvisierte Spezialisierung im gegenwärtigen Markt in der jeweiligen Stadt und mit den bestehenden Mitbewerbern überhaupt wirtschaftlich Sinn macht.
Und dabei hilft weder der Blick in die Glaskugel noch der Wurf einer Münze. Wenn ich einfach beginne, ohne dass ich mir Gedanken über mein Marktumfeld und - noch wichtiger - über die bereits vorhandenen Mitbewerber mache, dann lasse ich auch einen ganz wichtigen Aspekt außer Acht: die Frage, wo bzw. womit kann ich mir ein Alleinstellungsmerkmal im Rahmen meiner Spezialisierung verschaffen. Um mir darüber Gedanken zu machen, muss ich aber erst mal wissen, wer meine Konkurrenz ist und wie diese Kanzlein im Markt bisher aufgestellt sind.
Und dabei hilft weder der Blick in die Glaskugel noch der Wurf einer Münze. Wenn ich einfach beginne, ohne dass ich mir Gedanken über mein Marktumfeld und - noch wichtiger - über die bereits vorhandenen Mitbewerber mache, dann lasse ich auch einen ganz wichtigen Aspekt außer Acht: die Frage, wo bzw. womit kann ich mir ein Alleinstellungsmerkmal im Rahmen meiner Spezialisierung verschaffen. Um mir darüber Gedanken zu machen, muss ich aber erst mal wissen, wer meine Konkurrenz ist und wie diese Kanzlein im Markt bisher aufgestellt sind.
11.06.2023, 12:27
(11.06.2023, 12:11)Chrissy schrieb: Natürlich solltest du eine Spezialisierung auf ein oder zwei Rechtsgebiete haben, die dir liegen und mit denen du dich in der Zukunft beschäftigen möchtest. Wie ich früher schon geschrieben habe, es geht darum, ob die anvisierte Spezialisierung im gegenwärtigen Markt in der jeweiligen Stadt und mit den bestehenden Mitbewerbern überhaupt wirtschaftlich Sinn macht.
Und dabei hilft weder der Blick in die Glaskugel noch der Wurf einer Münze. Wenn ich einfach beginne, ohne dass ich mir Gedanken über mein Marktumfeld und - noch wichtiger - über die bereits vorhandenen Mitbewerber mache, dann lasse ich auch einen ganz wichtigen Aspekt außer Acht: die Frage, wo bzw. womit kann ich mir ein Alleinstellungsmerkmal im Rahmen meiner Spezialisierung verschaffen. Um mir darüber Gedanken zu machen, muss ich aber erst mal wissen, wer meine Konkurrenz ist und wie diese Kanzlein im Markt bisher aufgestellt sind.
Das ist mit Sicherheit richtig. Ich würde dabei allerdings so vorgehen, dass ich mich nach persönlicher Vorliebe auf ein Rechtsgebiet spezialisiere, dann in einer möglichst guten Kanzlei anfange und mich dort ausbilden lasse (und das heißt natürlich nicht zwangsläufig GK). Dann bekommt man auch einen ungefähren Überblick darüber wie der Markt dort aufgestellt ist und was ggf. mögliche Alleinstellungsmerkmale werden könnten.
Nach Abschluss des zweiten Examens halte ich das Vorgehen, Marktanalyse-->Spezialisierung-->Selbstständig arbeiten-->damit gutes Geld verdienen für aussichtslos.
Es kann natürlich sein, dass einfach mir persönlich die Fantasie fehlt, aber ich habe in den ersten Berufsjahren dermaßen viel über mein Rechtsgebiet erfahren - fachlich und organisatorisch - das hätte ich durch eine theoretische Analyse niemals hinbekommen. Zudem wird man auf Themenfelder gestoßen, die man vorher entweder nicht kannte oder deren wirtschaftliche Relevanz man nicht einschätzen konnte. In meinem Fall selbst dann nicht, wenn man in dem entsprechenden Bereich den Schwerpunkt und die Diss gemacht hat.
11.06.2023, 14:04
Wer die Möglichkeit hat, genau diese Reihenfolge einzuhalten, also II. Examen, praktische Weiterbildung in einer anderen Kanzlei, um die eigene Spezialisierung zu überprüfen und zu festigen und auch mehr über wirtschaftliche Zusammenhänge zu erfahren, sollte genau dies machen.
Aber nicht jeder hat diese Komfortsituation zu Beginn des Berufslebens. Eine weiterer Punkt ist auch, dass eine solche Analyse auch im späteren Berufsleben regelmäßig gemacht werden sollte. Um bzgl. dessen, was die Konkurrenz macht, auf dem Laufenden zu sein und ggf. sein Angebot anpassen zu können. Denn die anderen Kanzleien entwickeln sich weiter und man selbst will ja nicht auf der Stelle treten.
Aber nicht jeder hat diese Komfortsituation zu Beginn des Berufslebens. Eine weiterer Punkt ist auch, dass eine solche Analyse auch im späteren Berufsleben regelmäßig gemacht werden sollte. Um bzgl. dessen, was die Konkurrenz macht, auf dem Laufenden zu sein und ggf. sein Angebot anpassen zu können. Denn die anderen Kanzleien entwickeln sich weiter und man selbst will ja nicht auf der Stelle treten.
22.10.2023, 17:27
Auch wenn der letzte Beitrag schon ein paar Monate zurückliegt, wollte ich fragen, ob es jemanden gibt, der sich vor kurzem selbstständig gemacht hat und davon berichten möchte.
Ich überlege auch länger, mich selbstständig zu machen. Gerne auch PN.
Ich überlege auch länger, mich selbstständig zu machen. Gerne auch PN.
23.10.2023, 21:30
Habt Ihr einen bestimmten Grund ein derartiges Risiko einzugehen? Der Mann meiner Tante war fast 20 Jahre RA in einer Kanzlei aus 11 RA und ist genau den gegensätzlichen Weg gegangen: Er hat vor einigen Jahren mit fast 50 den Wechsel zu einem Verband bevorzugt (weniger Arbeit und insbesondere geregelte Arbeitszeiten, bezahlter Urlaub der nicht "vorgearbeitet" werden muss und trotzdem eine ansprechende Bezahlung).
Er hatte zwar keinen FA, war aber jahrelang im gewerblichen Rechtsschutz/Gesellschaftsrecht unterwegs, sodass er sich wohl gegen die jüngere VB Konkurrenz durchsetzen konnte
Er hatte zwar keinen FA, war aber jahrelang im gewerblichen Rechtsschutz/Gesellschaftsrecht unterwegs, sodass er sich wohl gegen die jüngere VB Konkurrenz durchsetzen konnte
25.10.2023, 16:32
(23.10.2023, 21:30)nachdenklich schrieb: Habt Ihr einen bestimmten Grund ein derartiges Risiko einzugehen? Der Mann meiner Tante war fast 20 Jahre RA in einer Kanzlei aus 11 RA und ist genau den gegensätzlichen Weg gegangen: Er hat vor einigen Jahren mit fast 50 den Wechsel zu einem Verband bevorzugt (weniger Arbeit und insbesondere geregelte Arbeitszeiten, bezahlter Urlaub der nicht "vorgearbeitet" werden muss und trotzdem eine ansprechende Bezahlung).
Er hatte zwar keinen FA, war aber jahrelang im gewerblichen Rechtsschutz/Gesellschaftsrecht unterwegs, sodass er sich wohl gegen die jüngere VB Konkurrenz durchsetzen konnte
Selbstbestimmtheit, Einkommen zum Großteil von der eigenen Arbeit abhängig und stark an die eigene Leistung gekoppelt. Spaß am "Unternehmerdasein" und allgemeine Risikofreude.
Dazu die Überzeugung, dass die geschilderten Probleme der Selbstständigen zum Großteil selbstgeschaffen sind und man selbst sie vermeiden (wenn ich die Examensklausuren in 4h schaffe und andere dabei Zeitprobleme bekommen, gehe ich davon aus, dass ich auch keine 60h/Woche kloppen muss, um denselben Ertrag zu erwirtschaften, als Beispiel). Ich bin auch überzeugt davon, dass die Mail eines Mandanten nicht Samstagabend beantwortet werden muss, wie mein Chef das macht, gerade in meinem Rechtsgebiet. Dazu technischer Fortschritt => nicht unwahrscheinlich, dass der Mann deiner Tante ob seines Alters die technischen Gegebenheiten nicht unbedingt optimal und effizient genutzt hat und deshalb mehr Arbeitszeit aufwenden musste.
Und einfach Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
30.10.2023, 11:57
(25.10.2023, 16:32)Äfes schrieb:(23.10.2023, 21:30)nachdenklich schrieb: Habt Ihr einen bestimmten Grund ein derartiges Risiko einzugehen? Der Mann meiner Tante war fast 20 Jahre RA in einer Kanzlei aus 11 RA und ist genau den gegensätzlichen Weg gegangen: Er hat vor einigen Jahren mit fast 50 den Wechsel zu einem Verband bevorzugt (weniger Arbeit und insbesondere geregelte Arbeitszeiten, bezahlter Urlaub der nicht "vorgearbeitet" werden muss und trotzdem eine ansprechende Bezahlung).
Er hatte zwar keinen FA, war aber jahrelang im gewerblichen Rechtsschutz/Gesellschaftsrecht unterwegs, sodass er sich wohl gegen die jüngere VB Konkurrenz durchsetzen konnte
Selbstbestimmtheit, Einkommen zum Großteil von der eigenen Arbeit abhängig und stark an die eigene Leistung gekoppelt. Spaß am "Unternehmerdasein" und allgemeine Risikofreude.
Dazu die Überzeugung, dass die geschilderten Probleme der Selbstständigen zum Großteil selbstgeschaffen sind und man selbst sie vermeiden (wenn ich die Examensklausuren in 4h schaffe und andere dabei Zeitprobleme bekommen, gehe ich davon aus, dass ich auch keine 60h/Woche kloppen muss, um denselben Ertrag zu erwirtschaften, als Beispiel). Ich bin auch überzeugt davon, dass die Mail eines Mandanten nicht Samstagabend beantwortet werden muss, wie mein Chef das macht, gerade in meinem Rechtsgebiet. Dazu technischer Fortschritt => nicht unwahrscheinlich, dass der Mann deiner Tante ob seines Alters die technischen Gegebenheiten nicht unbedingt optimal und effizient genutzt hat und deshalb mehr Arbeitszeit aufwenden musste.
Und einfach Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Super Zusammenfassung


