26.12.2022, 23:43
(25.12.2022, 18:57)VBB schrieb: Kann man mit diesen Noten in Berlin ohne Probleme Anwaltskanzleien finden, bei denen (für gewöhnlich) nicht mehr als 40 Stunden gearbeitet wird und man trotzdem deutlich besser verdient?
Wenn du das als feste Bedingung hast, dann muss man wohl sagen, dass solche Kanzleien rar gesäht sind, auch wenn es sie geben mag.
27.12.2022, 01:18
Ich wundere mich immer, dass sich das Gerücht hält, dass man als Beamter im hD ne 41-Stunden-Woche hat. Das mag je nach Abteilung und Behörde so sein. Bei meinen Bekannten in Ministerien kommt wohl keiner unter 50 Wochenstunden. Sicher, der Rest sind Überstunden. Allerdings kommt man auch dort schnell an das Problem, wann sie abgefeiert werden können. Auch hier höre ich sehr oft, dass sie dann an den entsprechenden Stichtagen verfallen.
27.12.2022, 10:01
(26.12.2022, 23:43)sl4442 schrieb:(25.12.2022, 18:57)VBB schrieb: Kann man mit diesen Noten in Berlin ohne Probleme Anwaltskanzleien finden, bei denen (für gewöhnlich) nicht mehr als 40 Stunden gearbeitet wird und man trotzdem deutlich besser verdient?
Wenn du das als feste Bedingung hast, dann muss man wohl sagen, dass solche Kanzleien rar gesäht sind, auch wenn es sie geben mag.
Das Problem ist bei den meisten Kanzleien (Großkanzleien Mal ausgenommen) ja nicht einmal, dass es nicht vielleicht irgendwo irgendwie machbar wäre, zumindest zeitweise 40 Stunden zu arbeiten, sondern, dass alle Annehmlichkeiten eines Unternehmens oder der Behörde einfach trotzdem fehlen. Aufgrund des Dienstleistungsgedankens wird man nie selbst entscheiden dürfen, wann man geht, einen festen Überstundenausgleich und Gleittage wird es auch nicht geben. Home Office ist auch oftmals noch nicht gern gesehen.
Die Arbeitszeiten werden nie so flexibel sein, dass man wirklich einen eigenen Spielraum hat. Mit sehr viel Glück klappt 8/9-18 Uhr, während am Freitag in der Behörde um 14:00 Uhr der Stift fallengelassen werden kann. Und was am Nervigsten ist: dir fehlt einfach die Selbstbestimmtheit. Deine Mandanten werden im Zweifel auch im Urlaub anrufen, auch wenn Du krank bist wirst Du Kleinigkeiten abarbeiten müssen usw.
Sicherlich ist der Beruf der Anwalts im Zweifel besser vergütet und sehr abwechslungsreich. Aber wie in allen anderen Bereichen auch, muss jeder selbst entscheiden, was er dafür bereit ist (auf)zugeben.
27.12.2022, 12:09
Also Selbstbestimmung und Behörde schließt sich nach meinen Erfahrungen und Gesprächen während Studium und Ref zumindest hinsichtlich Kommunal- und Bundesbehörden aus. Jeder bückt sich vor der nächsten Ebene und tritt nach unten. Eigenständiges Denken wird nicht gern gesehen. Die Hausführung versucht ihre eigenen Projekte ohne Abstimmung und Absprachen mit der Brechstange durchzusetzen und verstößt gegen ihre eigene Leitlinien eines respektvollen Miteinanders...
In einer Behörde bist du nur ein kleines Rädchen im Getriebe und hast dementsprechend wenig Mitspracherecht. Das kann in Großunternehmen und Kanzleien ähnlich sein, aber dort wurde ich (!) von Vorgesetzten als Mensch wahrgenommen und konnte eigene Wünsche und Bedürfnisse formulieren, die auch berücksichtigt wurden.
Natürlich kann man darauf verweisen, dass man ja in der Behörde immer risikolos klagen und damit seine Rechte einfordern kann. Ob man in so einem Umfeld den Großteil seines Lebens verbringen will, muss man selbst entscheiden.
In einer Behörde bist du nur ein kleines Rädchen im Getriebe und hast dementsprechend wenig Mitspracherecht. Das kann in Großunternehmen und Kanzleien ähnlich sein, aber dort wurde ich (!) von Vorgesetzten als Mensch wahrgenommen und konnte eigene Wünsche und Bedürfnisse formulieren, die auch berücksichtigt wurden.
Natürlich kann man darauf verweisen, dass man ja in der Behörde immer risikolos klagen und damit seine Rechte einfordern kann. Ob man in so einem Umfeld den Großteil seines Lebens verbringen will, muss man selbst entscheiden.
27.12.2022, 13:20
(27.12.2022, 10:01)Privog schrieb:(26.12.2022, 23:43)sl4442 schrieb:(25.12.2022, 18:57)VBB schrieb: Kann man mit diesen Noten in Berlin ohne Probleme Anwaltskanzleien finden, bei denen (für gewöhnlich) nicht mehr als 40 Stunden gearbeitet wird und man trotzdem deutlich besser verdient?
Wenn du das als feste Bedingung hast, dann muss man wohl sagen, dass solche Kanzleien rar gesäht sind, auch wenn es sie geben mag.
Das Problem ist bei den meisten Kanzleien (Großkanzleien Mal ausgenommen) ja nicht einmal, dass es nicht vielleicht irgendwo irgendwie machbar wäre, zumindest zeitweise 40 Stunden zu arbeiten, sondern, dass alle Annehmlichkeiten eines Unternehmens oder der Behörde einfach trotzdem fehlen. Aufgrund des Dienstleistungsgedankens wird man nie selbst entscheiden dürfen, wann man geht, einen festen Überstundenausgleich und Gleittage wird es auch nicht geben. Home Office ist auch oftmals noch nicht gern gesehen.
Die Arbeitszeiten werden nie so flexibel sein, dass man wirklich einen eigenen Spielraum hat. Mit sehr viel Glück klappt 8/9-18 Uhr, während am Freitag in der Behörde um 14:00 Uhr der Stift fallengelassen werden kann. Und was am Nervigsten ist: dir fehlt einfach die Selbstbestimmtheit. Deine Mandanten werden im Zweifel auch im Urlaub anrufen, auch wenn Du krank bist wirst Du Kleinigkeiten abarbeiten müssen usw.
Sicherlich ist der Beruf der Anwalts im Zweifel besser vergütet und sehr abwechslungsreich. Aber wie in allen anderen Bereichen auch, muss jeder selbst entscheiden, was er dafür bereit ist (auf)zugeben.
Kommt komplett auf das Unternehmen/die Kanzlei an.
Ich war 7 Jahre in einer mittelständischen WP-Gesellschaft und Gleitzeit (Kernzeit 9.30-15.30 Uhr, Freitag bis 14.00 Uhr), Überstunden abbummeln, Gleittage waren ganz normal und wurden gelebt.
Umso überraschter war ich, als mir in Vorstellungsgesprächen Arbeitszeiten 9-19 Uhr angeboten wurden. Scheint in vielen Kanzleien noch Gang und Gäbe, ist aber nicht überall so.
Im öD hatte ich mich auch beworben, aber das Bewerbungsverfahren war schon so angestaubt und formal. Horror. Bin jetzt im Unternehmen mit Arbeitszeitrahmen 6-19 Uhr, keine Kernzeit, 3 Tage Home Office, keine verstaubten Vorgaben.
27.12.2022, 14:21
(27.12.2022, 13:20)Egal schrieb:(27.12.2022, 10:01)Privog schrieb:(26.12.2022, 23:43)sl4442 schrieb:(25.12.2022, 18:57)VBB schrieb: Kann man mit diesen Noten in Berlin ohne Probleme Anwaltskanzleien finden, bei denen (für gewöhnlich) nicht mehr als 40 Stunden gearbeitet wird und man trotzdem deutlich besser verdient?
Wenn du das als feste Bedingung hast, dann muss man wohl sagen, dass solche Kanzleien rar gesäht sind, auch wenn es sie geben mag.
Das Problem ist bei den meisten Kanzleien (Großkanzleien Mal ausgenommen) ja nicht einmal, dass es nicht vielleicht irgendwo irgendwie machbar wäre, zumindest zeitweise 40 Stunden zu arbeiten, sondern, dass alle Annehmlichkeiten eines Unternehmens oder der Behörde einfach trotzdem fehlen. Aufgrund des Dienstleistungsgedankens wird man nie selbst entscheiden dürfen, wann man geht, einen festen Überstundenausgleich und Gleittage wird es auch nicht geben. Home Office ist auch oftmals noch nicht gern gesehen.
Die Arbeitszeiten werden nie so flexibel sein, dass man wirklich einen eigenen Spielraum hat. Mit sehr viel Glück klappt 8/9-18 Uhr, während am Freitag in der Behörde um 14:00 Uhr der Stift fallengelassen werden kann. Und was am Nervigsten ist: dir fehlt einfach die Selbstbestimmtheit. Deine Mandanten werden im Zweifel auch im Urlaub anrufen, auch wenn Du krank bist wirst Du Kleinigkeiten abarbeiten müssen usw.
Sicherlich ist der Beruf der Anwalts im Zweifel besser vergütet und sehr abwechslungsreich. Aber wie in allen anderen Bereichen auch, muss jeder selbst entscheiden, was er dafür bereit ist (auf)zugeben.
Kommt komplett auf das Unternehmen/die Kanzlei an.
Ich war 7 Jahre in einer mittelständischen WP-Gesellschaft und Gleitzeit (Kernzeit 9.30-15.30 Uhr, Freitag bis 14.00 Uhr), Überstunden abbummeln, Gleittage waren ganz normal und wurden gelebt.
Umso überraschter war ich, als mir in Vorstellungsgesprächen Arbeitszeiten 9-19 Uhr angeboten wurden. Scheint in vielen Kanzleien noch Gang und Gäbe, ist aber nicht überall so.
Im öD hatte ich mich auch beworben, aber das Bewerbungsverfahren war schon so angestaubt und formal. Horror. Bin jetzt im Unternehmen mit Arbeitszeitrahmen 6-19 Uhr, keine Kernzeit, 3 Tage Home Office, keine verstaubten Vorgaben.
Es ging aber um Kanzleien, in denen man mehr verdient als 3.700€ netto.
Das entspricht in der freien Wirtschaft - je nach Steuerklasse - mindestens 75.000€.
Natürlich gibt es genug Unternehmen, die eine 38 Stunden Woche, Gleitzeit und Home Office anbieten, aber in der Regel wird man dort sehr viel weniger verdienen.
27.12.2022, 18:06
(27.12.2022, 01:18)Nrw_123 schrieb: Ich wundere mich immer, dass sich das Gerücht hält, dass man als Beamter im hD ne 41-Stunden-Woche hat. Das mag je nach Abteilung und Behörde so sein. Bei meinen Bekannten in Ministerien kommt wohl keiner unter 50 Wochenstunden. Sicher, der Rest sind Überstunden. Allerdings kommt man auch dort schnell an das Problem, wann sie abgefeiert werden können. Auch hier höre ich sehr oft, dass sie dann an den entsprechenden Stichtagen verfallen.
Ja das kenne ich auch so aus meinem Umfeld mit den 50 Stunden in BM. Aber dafür gibt es halt Freizeitausgleich und Freitag auch mal um 14:00 Feierabend.
27.12.2022, 18:40
(27.12.2022, 18:06)Diesdasananas schrieb:(27.12.2022, 01:18)Nrw_123 schrieb: Ich wundere mich immer, dass sich das Gerücht hält, dass man als Beamter im hD ne 41-Stunden-Woche hat. Das mag je nach Abteilung und Behörde so sein. Bei meinen Bekannten in Ministerien kommt wohl keiner unter 50 Wochenstunden. Sicher, der Rest sind Überstunden. Allerdings kommt man auch dort schnell an das Problem, wann sie abgefeiert werden können. Auch hier höre ich sehr oft, dass sie dann an den entsprechenden Stichtagen verfallen.
Ja das kenne ich auch so aus meinem Umfeld mit den 50 Stunden in BM. Aber dafür gibt es halt Freizeitausgleich und Freitag auch mal um 14:00 Feierabend.
und auch im Ministerium gilt: Jeder ist seines Glückes Schmied. Es schickt dich halt niemand nach Hause und den Freizeitausgleich muss man ggf. auch mal einfordern / durchsetzen. Mit der Unkündbarkeit im Rücken kann man sowas halt anders ansprechen, als in einer Kanzlei / Unternehmen, hat man da den Stempel "Lowperformer" gehts ganz schnell in die falsche Richtung.
Davon ab bin ich mir nicht sicher wie gut der Deal ist. Am Anfang sind 3,7k mit Sicherheit ein guter Start. Aber auch im Ministerium ist halt mehr als A 16 ggf. B 2 nur mit Glück und erheblichem persönlichem Aufwand drin. Da ist bei 5,X K netto dann das Ende der Fahnenstange erreicht.
Das ist natürlich ein sehr ordentliches Gehalt und viele (die meisten) Anwälte verdienen weniger. Wenn man aber zB im Finanzministerium ist und dauernd mit den Jungs aus der GK spielt wird man sich im Vergleich immer klein vorkommen.
Bist du zB Staatsanwalt und verdienst ähnlich und misst dich mit den meisten Strafverteidigern kann das wieder ganz anders aussehen...
Staat heißt für mich:
Keine Rolex, aber Apple Watch
Kein Hilton, aber auch kein Motel One
Kein Hermes aber auch kein Kik
Kein Porsche aber auch kein Dacia (aber wer weiß wie es mit dem Dienstwagenprivileg weitergeht)
Kein EFH in der Stadt aber auch keine kleine Wohnung oder obdachlos...
Halt (gesundes) Mittelmaß
Woher dann die Zufriedenheit kommt muss jeder wissen. Es reicht mit Sicherheit nicht, um ein Geltungsbedürfnis zu erfüllen.
28.12.2022, 01:54
(27.12.2022, 18:40)Chill3r schrieb:(27.12.2022, 18:06)Diesdasananas schrieb:(27.12.2022, 01:18)Nrw_123 schrieb: Ich wundere mich immer, dass sich das Gerücht hält, dass man als Beamter im hD ne 41-Stunden-Woche hat. Das mag je nach Abteilung und Behörde so sein. Bei meinen Bekannten in Ministerien kommt wohl keiner unter 50 Wochenstunden. Sicher, der Rest sind Überstunden. Allerdings kommt man auch dort schnell an das Problem, wann sie abgefeiert werden können. Auch hier höre ich sehr oft, dass sie dann an den entsprechenden Stichtagen verfallen.
Ja das kenne ich auch so aus meinem Umfeld mit den 50 Stunden in BM. Aber dafür gibt es halt Freizeitausgleich und Freitag auch mal um 14:00 Feierabend.
und auch im Ministerium gilt: Jeder ist seines Glückes Schmied. Es schickt dich halt niemand nach Hause und den Freizeitausgleich muss man ggf. auch mal einfordern / durchsetzen. Mit der Unkündbarkeit im Rücken kann man sowas halt anders ansprechen, als in einer Kanzlei / Unternehmen, hat man da den Stempel "Lowperformer" gehts ganz schnell in die falsche Richtung.
Davon ab bin ich mir nicht sicher wie gut der Deal ist. Am Anfang sind 3,7k mit Sicherheit ein guter Start. Aber auch im Ministerium ist halt mehr als A 16 ggf. B 2 nur mit Glück und erheblichem persönlichem Aufwand drin. Da ist bei 5,X K netto dann das Ende der Fahnenstange erreicht.
Das ist natürlich ein sehr ordentliches Gehalt und viele (die meisten) Anwälte verdienen weniger. Wenn man aber zB im Finanzministerium ist und dauernd mit den Jungs aus der GK spielt wird man sich im Vergleich immer klein vorkommen.
Bist du zB Staatsanwalt und verdienst ähnlich und misst dich mit den meisten Strafverteidigern kann das wieder ganz anders aussehen...
Staat heißt für mich:
Keine Rolex, aber Apple Watch
Kein Hilton, aber auch kein Motel One
Kein Hermes aber auch kein Kik
Kein Porsche aber auch kein Dacia (aber wer weiß wie es mit dem Dienstwagenprivileg weitergeht)
Kein EFH in der Stadt aber auch keine kleine Wohnung oder obdachlos...
Halt (gesundes) Mittelmaß
Woher dann die Zufriedenheit kommt muss jeder wissen. Es reicht mit Sicherheit nicht, um ein Geltungsbedürfnis zu erfüllen.
das finde ich wichtig. bei allem Verständnis für solche Vergleiche, sind das - BundesVw vs RA - der Natur nach mE recht verschiedene Tätigkeiten und daher 40h Vw, nicht 40h RA (ohne Auf- oder Abwertung der einen Alternative). Ich kann mir zwar vorstellen, dass es Leute gibt, die beides gut können, aber weniger gut vorstellen, dass sie beides gleich gerne machen. Daher fände ich es gut, etwas weniger auf das Finanzielle zu schauen. Von beidem kann man gut leben, was dir sonst wichtig ist, muss du halt einpreisen und wirst du auch gut wissen. Und selbst wenn du dich zunächst für Vw entscheidest und hinterher feststellst, ich möchte jetzt doch noch RA werden, ist das ja auch möglich, was ja auch eine schöne Seite an unserer Ausbildung ist...









