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Unglücklicher Proberichter, Wechsel in die Verwaltung?
Pontifex Maximus
Senior Member
****
Beiträge: 252
Themen: 0
Registriert seit: Oct 2023
#11
Gestern, 10:46
(Gestern, 09:06)GastNRW1234 schrieb:  
(Gestern, 06:34)Praktiker schrieb:  
(01.11.2026, 21:01)GastNRW1234 schrieb:  Ich denke auch, dass Du (soweit es noch erträglich und nicht psychisch unzumutbar ist) noch etwas durchhalten solltest.
Aus meinem Nahbereich: eine Freundin war in einer ähnlichen Situation wie du - Berufseinstieg als Richterin (nach kurzer GK Zeit), dann in einer Kammer mit schwierigem Vorsitzenden (hat Kammerurteilentwürfe handschriftlich  korrigiert und auch stilistische Dinge regelmäßig als falsch etikettiert, sie nicht ernst genommen, bewusst vor KollegInnen herabgesetzt usw) und nicht gemochten Rechtsgebiet (Baukammer) an nicht gewolltem Dienstort gestartet. Nach 6 Monaten war ihr das dann genug. 
Mittlerweile ist sie Legal Counsel und Fachanwältin, verdient gut und hat eine tolle work Life Balance. Will aber nun zurück in die Justiz, weil sie sich im Unternehmen unterfordert fühlt und eine gesellschaftlich relevantere Tätigkeit ausüben will.
Aber: trotz guter Noten gibt es noch keine Einladung in die Justiz. Und selbst wenn eine kommt, werden die Gespräche sicher nicht leicht.
Soll heißen: überlege es dir gut, gib dir Zeit für die Entscheidung. Denn sie umzukehren kann sehr schwer werden.

Dann sollte man keinesfalls in die Verwaltung wechseln. Ich muss alles freigegeben, was das Referat verlässt, und natürlich korrigiere ich die Vermerke meiner Referenten auch in stilistischer Hinsicht. In der Verwaltung gibt es halt keine Unabhängigkeit, das muss man sich klarmachen.

Klar, kenne ich als Anwalt zB auch. 
Aber bei Gericht ist das sehr unüblich, soweit ich das weiß. Es ging da auch eher um die Art, das per Handschrift in unleserlicher Sauklaue zu machen. Wenn sie um Korrektur per Word Kommentarfunktion gebeten hat oder zu viele Fragen hatte, weil sie die Schrift nicht lesen konnte, wurde er sauer.

Nein, das ist nicht unüblich. Ob man das jetzt unbedingt handschriftlich machen muss, sei mal dahingestellt. Dass aber bei gemeinsamen Entscheidungen im Kollegialspruchkörper (viele) Änderungen gewünscht werden, ist - jedenfalls wenn die Kollegen ihre Mitberichterstattung ernst nehmen - durchaus normal. Wenn man das nicht will, muss man schauen, dass man irgendwo als Einzelrichter tätig wird. Andernfalls wird man sein weiteres Berufsleben damit leben müssen.
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Freidenkender
Posting Freak
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Beiträge: 843
Themen: 1
Registriert seit: Mar 2022
#12
Gestern, 10:59
(Gestern, 09:06)GastNRW1234 schrieb:  
(Gestern, 06:34)Praktiker schrieb:  
(01.11.2026, 21:01)GastNRW1234 schrieb:  Ich denke auch, dass Du (soweit es noch erträglich und nicht psychisch unzumutbar ist) noch etwas durchhalten solltest.
Aus meinem Nahbereich: eine Freundin war in einer ähnlichen Situation wie du - Berufseinstieg als Richterin (nach kurzer GK Zeit), dann in einer Kammer mit schwierigem Vorsitzenden (hat Kammerurteilentwürfe handschriftlich  korrigiert und auch stilistische Dinge regelmäßig als falsch etikettiert, sie nicht ernst genommen, bewusst vor KollegInnen herabgesetzt usw) und nicht gemochten Rechtsgebiet (Baukammer) an nicht gewolltem Dienstort gestartet. Nach 6 Monaten war ihr das dann genug. 
Mittlerweile ist sie Legal Counsel und Fachanwältin, verdient gut und hat eine tolle work Life Balance. Will aber nun zurück in die Justiz, weil sie sich im Unternehmen unterfordert fühlt und eine gesellschaftlich relevantere Tätigkeit ausüben will.
Aber: trotz guter Noten gibt es noch keine Einladung in die Justiz. Und selbst wenn eine kommt, werden die Gespräche sicher nicht leicht.
Soll heißen: überlege es dir gut, gib dir Zeit für die Entscheidung. Denn sie umzukehren kann sehr schwer werden.

Dann sollte man keinesfalls in die Verwaltung wechseln. Ich muss alles freigegeben, was das Referat verlässt, und natürlich korrigiere ich die Vermerke meiner Referenten auch in stilistischer Hinsicht. In der Verwaltung gibt es halt keine Unabhängigkeit, das muss man sich klarmachen.

Klar, kenne ich als Anwalt zB auch. 
Aber bei Gericht ist das sehr unüblich, soweit ich das weiß. Es ging da auch eher um die Art, das per Handschrift in unleserlicher Sauklaue zu machen. Wenn sie um Korrektur per Word Kommentarfunktion gebeten hat oder zu viele Fragen hatte, weil sie die Schrift nicht lesen konnte, wurde er sauer.

Solche schwierigen Persönlichkeiten gibt es in jedem juristischen Umfeld. Das liegt meist weniger am System als an den Menschen, auf die man trifft.

Die Kernfrage ist: Brichst du wegen einzelner Personen ab oder nicht. Wenn dich die Situation psychisch stark belastet, kann ein Wechsel konsequent und richtig sein. Wenn es „nur“ anstrengend ist, kann sich Durchhalten lohnen, weil sich Konstellationen oft ändern: Zuständigkeiten, Besetzungen, Dienstposten.

Im Richterberuf kommt die richterliche Unabhängigkeit hinzu. Selbst mit einem schwierigen Kammervorsitzenden bleibt ein erheblicher Teil deiner Arbeit eigenverantwortlich. Andere berichten, wie sie sich am Anfang eher alleingelassen fühlen Mit der Zeit pendelt sich das meist ein.

Ich würde deshalb nicht vorschnell aufgeben, solange die Belastung noch im Rahmen ist. Erfahrung und veränderte Rahmenbedingungen führen häufig dazu, dass es deutlich besser wird.
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Bescheid
Junior Member
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Beiträge: 11
Themen: 0
Registriert seit: Oct 2026
#13
Gestern, 14:31
Muss es denn der ÖD sein? Eine Inhouse-Stelle in einem Unternehmen könnte dir komplexes Zivilrecht mit guter WLB und mehr Flexibilität insbesondere bezüglich remote work liefern.
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Praktiker
Posting Freak
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Beiträge: 2.359
Themen: 0
Registriert seit: Apr 2021
#14
Gestern, 15:41
Dahin muss man vielleicht auch pendeln, und schwierige Menschen soll es auch in Unternehmen geben. Es bleibt dabei: man weiß vorher nicht immer, wie man es antrifft.
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Spencer
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Beiträge: 453
Themen: 0
Registriert seit: May 2023
#15
Gestern, 17:01
(01.11.2026, 20:49)Praktiker schrieb:  Es ist im Übrigen nicht garantiert, dass es in der Verwaltung besser wäre. In den meisten Einheiten wird es vermutlich weniger Arbeit sein. Aber schwierige Kollegen kann man dort auch bekommen. Und vor allem auch schwierige Chefs: im Moment redet Dir im der Sache niemand rein, in der Verwaltung kann das komplett anders sein. Stell dir einfach vor, der schwierigste Deiner Kollegen wäre Dein Chef...
Wobei ich aus eigener Erfahrung sagen kann, dass sich ein schwieriger Vorsitzender und ein schwieriger Chef nicht so viel nehmen. Auch die vielbeschworene Unabhängigkeit schützt vor schwierigen Kollegen und (de facto) Vorgesetzten nicht. 

Ein guter Chef in der Verwaltung kann im Gegenteil auch eine echte Erleichterung sein, weil er die Letztverantwortung trägt. 

Es kommt also wie immer sehr drauf an, eher egal ist es, ob Justiz oder Verwaltung drübersteht.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: Gestern, 17:02 von Spencer.)
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Praktiker
Posting Freak
*****
Beiträge: 2.359
Themen: 0
Registriert seit: Apr 2021
#16
Gestern, 19:15
(Gestern, 17:01)Spencer schrieb:  
(01.11.2026, 20:49)Praktiker schrieb:  Es ist im Übrigen nicht garantiert, dass es in der Verwaltung besser wäre. In den meisten Einheiten wird es vermutlich weniger Arbeit sein. Aber schwierige Kollegen kann man dort auch bekommen. Und vor allem auch schwierige Chefs: im Moment redet Dir im der Sache niemand rein, in der Verwaltung kann das komplett anders sein. Stell dir einfach vor, der schwierigste Deiner Kollegen wäre Dein Chef...
Wobei ich aus eigener Erfahrung sagen kann, dass sich ein schwieriger Vorsitzender und ein schwieriger Chef nicht so viel nehmen. Auch die vielbeschworene Unabhängigkeit schützt vor schwierigen Kollegen und (de facto) Vorgesetzten nicht. 

Ein guter Chef in der Verwaltung kann im Gegenteil auch eine echte Erleichterung sein, weil er die Letztverantwortung trägt. 

Es kommt also wie immer sehr drauf an, eher egal ist es, ob Justiz oder Verwaltung drübersteht.

Richtig. Aber momentan hat er am AG nicht mal einen Vorsitzenden.
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Spencer
Senior Member
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Beiträge: 453
Themen: 0
Registriert seit: May 2023
#17
Gestern, 21:49
(Gestern, 19:15)Praktiker schrieb:  
(Gestern, 17:01)Spencer schrieb:  
(01.11.2026, 20:49)Praktiker schrieb:  Es ist im Übrigen nicht garantiert, dass es in der Verwaltung besser wäre. In den meisten Einheiten wird es vermutlich weniger Arbeit sein. Aber schwierige Kollegen kann man dort auch bekommen. Und vor allem auch schwierige Chefs: im Moment redet Dir im der Sache niemand rein, in der Verwaltung kann das komplett anders sein. Stell dir einfach vor, der schwierigste Deiner Kollegen wäre Dein Chef...
Wobei ich aus eigener Erfahrung sagen kann, dass sich ein schwieriger Vorsitzender und ein schwieriger Chef nicht so viel nehmen. Auch die vielbeschworene Unabhängigkeit schützt vor schwierigen Kollegen und (de facto) Vorgesetzten nicht. 

Ein guter Chef in der Verwaltung kann im Gegenteil auch eine echte Erleichterung sein, weil er die Letztverantwortung trägt. 

Es kommt also wie immer sehr drauf an, eher egal ist es, ob Justiz oder Verwaltung drübersteht.

Richtig. Aber momentan hat er am AG nicht mal einen Vorsitzenden.
Den fiesen Chef übernehmen hier die Kollegen und der Geschäftsverteilungsplan. Letztlich endet die richterliche Unabhängigkeit dort. Ich hatte zuletzt nette Vorsitzende, die leider keine Lobby im Präsidium hatten und deren gute Kammerzahlen regelmäßig mit der Übernahme von Uraltverfahren aus anderen Kammern belohnt wurden.

„Der Mensch wird frei geboren und liegt doch sein Leben lang in Fesseln.“
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: Gestern, 21:54 von Spencer.)
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Rim1
Junior Member
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Beiträge: 2
Themen: 0
Registriert seit: Oct 2026
#18
Vor 11 Stunden
Schwierige Kollegen und auch Vorgesetzte kann man immer erwischen. Besonders blöd ist eben, dass in der Justiz am Anfang sehr viel über Kollegen fragen läuft. Wenn von denen kaum welche da sind und die wenigen dann keine Lust haben (was unter kollegialen Gesichtspunkten einfach nur traurig ist, weil dieselben Menschen früher offensichtlich einmal in der gleichen Situation waren), ist der Einstieg m.E. deutlich ätzender als mit einem schwierigen Chef, aber netten Kollegen. Das kann dann später, mit mehr Erfahrung auch wieder ins 'positive' kippen. Wahrscheinlich fühlen sich die Kollegen vom TE ganz wohl, während sie da in ihrem Kämmerchen vor sich hinwursteln und auch noch Zeit haben, sich fröhlich zu verabscheuen (vermutlich, weil man sich zuvor gegenseitig den ungeliebten Haftdienst hin- und hergeschoben hat :-)).

Wenn ich jetzt gemein wäre, würde ich - auf gehörig anekdotisch-evidenter Basis - zugestehen, dass mich das, was ich hier lese, anhand der naheliegenden Parameter (vmtl. kleineres Amtsgericht, dienstältere Richter), nicht vollkommen überrascht. Es soll ja durchaus auch Bundesländer geben, in denen man als Proberichter erst Mal ans LG und in eine Kammer kommt. Vielleicht gar nicht so doof...
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