02.05.2026, 12:45
Notenmäßig ist die Tätigkeit in einer kleinen Kanzlei wohl das realistischste Berufsfeld, in dem ich einmal unterkommen werde. In meinen bisherigen Stationen fand ich es allerdings teils erschreckend, wie schlecht in fachlicher Hinsicht die Schriftsätze waren, die ich in meinen zu bearbeitenden Akten hatte. Oft haben die Anwälte ihren Mandanten keinen Gefallen getan. Wie schafft man es, trotz Arbeitsbelastung und Akquisedruck fachlich soliden rechtlichen Rat zu erteilen und die Interessen der Mandanten kompetent zu vertreten?
02.05.2026, 14:23
(02.05.2026, 12:45)nasciturus schrieb: Notenmäßig ist die Tätigkeit in einer kleinen Kanzlei wohl das realistischste Berufsfeld, in dem ich einmal unterkommen werde. In meinen bisherigen Stationen fand ich es allerdings teils erschreckend, wie schlecht in fachlicher Hinsicht die Schriftsätze waren, die ich in meinen zu bearbeitenden Akten hatte. Oft haben die Anwälte ihren Mandanten keinen Gefallen getan. Wie schafft man es, trotz Arbeitsbelastung und Akquisedruck fachlich soliden rechtlichen Rat zu erteilen und die Interessen der Mandanten kompetent zu vertreten?
Auf RVG Basis hat man in den meisten Rechtsgebieten aufgrund der niedrigen Streitwerte schlichtweg nicht die Zeit, um für jeden Fall sein volles Potenzial auszuschöpfen. Das ist dann einfach unwirtschaftlich. Da hilft nur eine Spezialisierung auf ein Rechtsgebiet, um durch wiederkehrende Verfahren auch in kurzer Zeit fachlich fundierte Arbeit abliefern zu können.
02.05.2026, 15:47
Aus Richtersicht: es gibt durchaus wirklich gute FWW-Anwälte. Teilweise sind die Schriftsätze und das Auftreten in den Sitzungen sogar besser als das, was aus MKs und GKs kommt. Meiner Erfahrung nach hat das auch weniger mit dem Faktor Zeit zu tun, sondern dass das schlicht und ergreifend sehr gute Juristen und allgemein schlaue Menschen sind. Die meisten FWW-Anwälte sind halt einfach keine besonders guten Juristen.
02.05.2026, 22:37
(02.05.2026, 15:47)Pontifex Maximus schrieb: Aus Richtersicht: es gibt durchaus wirklich gute FWW-Anwälte. Teilweise sind die Schriftsätze und das Auftreten in den Sitzungen sogar besser als das, was aus MKs und GKs kommt. Meiner Erfahrung nach hat das auch weniger mit dem Faktor Zeit zu tun, sondern dass das schlicht und ergreifend sehr gute Juristen und allgemein schlaue Menschen sind. Die meisten FWW-Anwälte sind halt einfach keine besonders guten Juristen.
Momentan, da widerspricht sich was.
FWW Anwälte sind teilweise besseren Auftrittes, weil sie gute Juristen sind. Und die meisten FWW-Anwälte sind keine besonders guten Juristen??
02.05.2026, 23:30
Ich nehme Mal an, es gibt die, von der Kompetenz quasi überall arbeiten könnten und sich trotzdem freiwillig für FWW aus innerer Überzeugung entscheiden. Von denen durfte es nicht so viele geben.
Und es gibt die, die keine Alternative hatten, vielleicht eher etwas frustriert sind in ihrem FWW dasein und entsprechend die Falle bearbeiten. Von denen dürfte es mehr geben.
(Klarstellend: Man braucht keine guten Noten, um ein guter Anwalt zu sein.)
Und es gibt die, die keine Alternative hatten, vielleicht eher etwas frustriert sind in ihrem FWW dasein und entsprechend die Falle bearbeiten. Von denen dürfte es mehr geben.
(Klarstellend: Man braucht keine guten Noten, um ein guter Anwalt zu sein.)
03.05.2026, 07:13
(02.05.2026, 22:37)RefbaldAnwalt schrieb:(02.05.2026, 15:47)Pontifex Maximus schrieb: Aus Richtersicht: es gibt durchaus wirklich gute FWW-Anwälte. Teilweise sind die Schriftsätze und das Auftreten in den Sitzungen sogar besser als das, was aus MKs und GKs kommt. Meiner Erfahrung nach hat das auch weniger mit dem Faktor Zeit zu tun, sondern dass das schlicht und ergreifend sehr gute Juristen und allgemein schlaue Menschen sind. Die meisten FWW-Anwälte sind halt einfach keine besonders guten Juristen.
Momentan, da widerspricht sich was.
FWW Anwälte sind teilweise besseren Auftrittes, weil sie gute Juristen sind. Und die meisten FWW-Anwälte sind keine besonders guten Juristen??
Das widerspricht sich nicht: Es gibt einige wirklich sehr, sehr gute. Die sind nicht nur gute Anwälte, sondern insgesamt gute Juristen und wären wahrscheinlich überall erfolgreich. Und es gibt viele mittelmäßige bis schlechte. Die sind eben schlicht mittelmäßige bis schlechte Juristen.
04.05.2026, 11:10
Meiner Erfahrung nach sind FWW-Anwälte idR keine guten Juristen/Anwälte. Dies liegt wohl oft daran, dass diese nicht freiwillig FWW-Anwälte geworden sind.
Was führt wohl dazu, dass jemand als FWW-Anwalt gut ist?
- ein guter Umgang mit dem RVG und der Abrechnung generell, wer schlau abrechnet, kann sich auch die Zeit nehmen, welche nunmal oft erforderlich ist
- vertiefte Kenntnisse im Prozessrecht, die besten materiellen Kenntnisse sind schnell nutzlos, wenn es an den erforderlichen Kentnnissen im Prozessrecht fehlt
- eine Spezialiserung, wer sich auf ein bis zwei Bereiche spezialisiert, der kann diese künftig auch mit weniger Zeitaufwand auf einem guten Niveau beraten
- Ehrlichkeit, wer dem Mandaten gegenüber ehrlich ist und nicht noch die baurechtliche Frage mit berät, weil man den Mandaten unbedingt im Erbrecht weiterhin beraten will, wird weniger Gefahr laufen eine schlechte Beratung zu leisten
- Netzwerk, wer in seiner Gegend einen Anwalt für das Verkehrsrecht und einen für das Baurecht kennt, kann seine Mandaten entsprechend weiterleiten und langfristig werden von den Kollegen Mandanten zurückkommen im eigenen Bereich
- Leidenschaft, ich habe schon wirklich gute Anwaälte gesehen, die sicher keine guten Examina hatten, aber in ihrer Niesche eine Leidenschaft entwickelt, die wirklich den Unterschied machen kann
Was führt wohl dazu, dass jemand als FWW-Anwalt gut ist?
- ein guter Umgang mit dem RVG und der Abrechnung generell, wer schlau abrechnet, kann sich auch die Zeit nehmen, welche nunmal oft erforderlich ist
- vertiefte Kenntnisse im Prozessrecht, die besten materiellen Kenntnisse sind schnell nutzlos, wenn es an den erforderlichen Kentnnissen im Prozessrecht fehlt
- eine Spezialiserung, wer sich auf ein bis zwei Bereiche spezialisiert, der kann diese künftig auch mit weniger Zeitaufwand auf einem guten Niveau beraten
- Ehrlichkeit, wer dem Mandaten gegenüber ehrlich ist und nicht noch die baurechtliche Frage mit berät, weil man den Mandaten unbedingt im Erbrecht weiterhin beraten will, wird weniger Gefahr laufen eine schlechte Beratung zu leisten
- Netzwerk, wer in seiner Gegend einen Anwalt für das Verkehrsrecht und einen für das Baurecht kennt, kann seine Mandaten entsprechend weiterleiten und langfristig werden von den Kollegen Mandanten zurückkommen im eigenen Bereich
- Leidenschaft, ich habe schon wirklich gute Anwaälte gesehen, die sicher keine guten Examina hatten, aber in ihrer Niesche eine Leidenschaft entwickelt, die wirklich den Unterschied machen kann
Vor 8 Stunden
Spezialisiere dich auf 2-3, max. 4 Rechtsgebiete, dann kannst du gute Ergebnisse trotz Zeit- und Kostendruck abliefern. Das hier exemplarisch erwähnte Baurecht solltest du z.B. für deinen Mandanten nur mitmachen, wenn du davon auch wirklich Ahnung hast. Hast du diese nicht, kostet dich das Nachschlagen zu viel Zeit um wirtschaftlich arbeiten zu können und in der Regel hast du für solche Ausnahmen auch nicht die entsprechende Literatur vorhanden, um gut beraten zu können.
Wichtig finde ich zudem, trotz Kostendruck vernünftig zu beraten und nichts komplett halbgares abzuliefern. Dahingehend wirst du einen Mittelweg finden müssen aus eigenen Ansprüchen und dem Zeitaufwand, ab dem es unwirtschaftlich wird, sich intensiver reinzuknien.
Das schlimmste ist wirklich, jedes Rechtgebiet anbieten zu wollen, obwohl man keine Ahnung hat. Dann lieber an einen befreundeten Anwalt weiterleiten, der dir im Gegenzug Mandate weiterleitet, von denen er keine Ahnung hat.
Wichtig finde ich zudem, trotz Kostendruck vernünftig zu beraten und nichts komplett halbgares abzuliefern. Dahingehend wirst du einen Mittelweg finden müssen aus eigenen Ansprüchen und dem Zeitaufwand, ab dem es unwirtschaftlich wird, sich intensiver reinzuknien.
Das schlimmste ist wirklich, jedes Rechtgebiet anbieten zu wollen, obwohl man keine Ahnung hat. Dann lieber an einen befreundeten Anwalt weiterleiten, der dir im Gegenzug Mandate weiterleitet, von denen er keine Ahnung hat.



