30.11.2025, 12:53
Mahlzeit,
eine Hälfte Verzweiflung und eine Hälfte Hoffnung lassen mich hier diesen Post verfassen:
Vor 6 Wochen habe ich eine für meine Noten sehr gut dotierte Stelle bei einer mittelgroßen Kanzlei in Norddeutschland aufgenommen.
Seit dem ersten Tag bekomme ich täglich circa 3 neue Vorgänge auf den Tisch, habe von dem kompletten Stapel erst 2 Vorgänge wirklich abschließen können.
Eines meiner Hauptprobleme ist dabei, dass ich kein bestimmtes Rechtsgebiet zugeordnet bekommen habe (erst in Zukunft).
Mir werden oft Musterverträge vorgelegt, die ich korrigieren und anpassen soll. Ich lese mir die Dinger durch, diese klingen plausibel und ich habe absolut keine Ahnung was ich überhaupt machen soll.
Gibt es eine Vorgehensweise zur "Prüfung" von Musterverträgen?
Sich andere Muster zu ergoogeln stieß bisher auf keine nennenswerten Ergebnisse.
Mit jedem Tag der vergeht, ohne zumindest gefühlt produktiv zu sein und mein Gehalt wirklich zu verdienen bzw. meinem Chef nicht nur auf der Tasche zu liegen, denke ich mehr über eine Probezeitkündigung nach. Dabei gefällt es mir dort eigentlich sogar ganz gut, ich stoße nur fachlich an meine Grenzen und bekomme keinerlei Einarbeitung.
Ich bin wirklich motiviert die sich inzwischen stapelnden Verträge anzupassen, habe aber wirklich keinerlei Ahnung bzw. Vorgehensweise wie ich überhaupt anfangen soll. Falls wer in einer ähnlich Situation war oder generell Tips hat wie man sich die Erfahrung erarbeiten kann wäre ich wirklich von Herzen dankbar für jeden Ratschlag. Falls nicht bedanke ich mich einfach nur fürs Lesen und für das Teilen meiner Sorgen.
Schönen Sonntag
Philip
eine Hälfte Verzweiflung und eine Hälfte Hoffnung lassen mich hier diesen Post verfassen:
Vor 6 Wochen habe ich eine für meine Noten sehr gut dotierte Stelle bei einer mittelgroßen Kanzlei in Norddeutschland aufgenommen.
Seit dem ersten Tag bekomme ich täglich circa 3 neue Vorgänge auf den Tisch, habe von dem kompletten Stapel erst 2 Vorgänge wirklich abschließen können.
Eines meiner Hauptprobleme ist dabei, dass ich kein bestimmtes Rechtsgebiet zugeordnet bekommen habe (erst in Zukunft).
Mir werden oft Musterverträge vorgelegt, die ich korrigieren und anpassen soll. Ich lese mir die Dinger durch, diese klingen plausibel und ich habe absolut keine Ahnung was ich überhaupt machen soll.
Gibt es eine Vorgehensweise zur "Prüfung" von Musterverträgen?
Sich andere Muster zu ergoogeln stieß bisher auf keine nennenswerten Ergebnisse.
Mit jedem Tag der vergeht, ohne zumindest gefühlt produktiv zu sein und mein Gehalt wirklich zu verdienen bzw. meinem Chef nicht nur auf der Tasche zu liegen, denke ich mehr über eine Probezeitkündigung nach. Dabei gefällt es mir dort eigentlich sogar ganz gut, ich stoße nur fachlich an meine Grenzen und bekomme keinerlei Einarbeitung.
Ich bin wirklich motiviert die sich inzwischen stapelnden Verträge anzupassen, habe aber wirklich keinerlei Ahnung bzw. Vorgehensweise wie ich überhaupt anfangen soll. Falls wer in einer ähnlich Situation war oder generell Tips hat wie man sich die Erfahrung erarbeiten kann wäre ich wirklich von Herzen dankbar für jeden Ratschlag. Falls nicht bedanke ich mich einfach nur fürs Lesen und für das Teilen meiner Sorgen.
Schönen Sonntag
Philip
30.11.2025, 14:06
Wenn du dich innerlich schon mit einer Probezeitkündigung deinerseits beschäftigst, hast du schon mal überlegt nachzufragen oder das Gespräch zu suchen? In einer kalten Welt wie der Juristerei mag das ungewohnt sein, aber manchmal hilft es sich einfach mal zu öffnen. Man muss dabei ja nicht devot die eigene Inkompetenz spiegeln, sondern kann es einem Berufsanfänger entsprechend verpacken. Die dürften bei deiner Einstellung gewusst haben, dass sie da keinen alten Hasen ins Boot holen. Entsprechend kannst du ja sagen, dass du die Verträge und ihre Inhalte selbstredend verstehst, aber dir insbesondere noch die Erfahrungswerte fehlen, merkbares Verbesserungspotential zu erkennen. Entsprechend wärst du für etwas Hilfe, Tipps und Erfahrungswerte dankbar, was auch der Firma zugute kommt, da du dadurch deine Produktivität eben auch deutlich steigern kannst.
Falls du mit deinem Anliegen auf Ablehnung/Unverständnis stößt, dann kannst du ja immer noch die Kündigung erwägen und hättest sogar einen weiteren Grund: Es scheint dann wohl auch menschlich nicht der optimale Arbeitgeber/Betrieb zu sein.
Falls du mit deinem Anliegen auf Ablehnung/Unverständnis stößt, dann kannst du ja immer noch die Kündigung erwägen und hättest sogar einen weiteren Grund: Es scheint dann wohl auch menschlich nicht der optimale Arbeitgeber/Betrieb zu sein.
30.11.2025, 15:29
Habt ihr Beck-Online? Scheint nicht der Fall zu sein, wenn du Google bemühst.
Ich würde das Gespräch suchen. Vertragsprüfung ohne juristische Hilfsmittel ist eigentlich kein Thema, was man einem Berufseinsteiger geben sollte. Am Anfang orientiert man sich in der Regel an vorhanden Musterverträgen aus Beck-Online, Formularbüchern oder in der Kanzlei bereits vorhandenen Vorlagen. Erst im Laufe der Berufsjahre springt das Bauchgefühl an den richtigen Stellen an, ohne dass man ein Muster vorliegen haben muss. Dennoch schaue selbst ich als gestandener alter Hase noch in Muster rein. Es kann ja immer mal vorkommen, dass man einen wichtigen Punkt übersehen hat, weil man Verträge diesen Inhalts nicht jeden Tag erstellt.
Bitte um ein Gespräch und frage nach bereits vorhandenen Musterverträgen in der Kanzlei. Bzw. Zwischenfrage: sollst du Musterverträge erstellen oder einen konkreten, auf den Fall zugeschnittenen Vertrag?
Wenn ihr weder vorhandene Musterverträge noch Beck-Online habt, empfehle ich dir, dir ein Formularbuch auf eigene Kosten zuzulegen. Es gibt welche, für konkrete Rechtsgebiete, aber auch welche, die zu vielen Rechtsgebieten überschlagsartig etwas beinhalten.
Ob du kündigen sollst oder nicht, kannst nur du entscheiden. Der Einstieg ist für die meisten nicht ganz einfach und die Unsicherheit am Anfang normal. Wenn der Rest in der Kanzlei stimmt, würde ich mich daher nicht komplett von der Unsicherheit bestimmen lassen, sondern schauen, ob sie sich legt. Wie gesagt, hole dir ein Formularbuch und mit der Zeit wirst du sicherer werden, was die Prüfung von Verträgen betrifft.
Ich hoffe und gehe zudem davon aus, dass jemand deine Entwürfe prüft? Wenn nicht, bitte darum, dass dies getan wird. Es ist keine Schande, am Anfang noch nicht alles zu wissen und zu können.
Ich würde das Gespräch suchen. Vertragsprüfung ohne juristische Hilfsmittel ist eigentlich kein Thema, was man einem Berufseinsteiger geben sollte. Am Anfang orientiert man sich in der Regel an vorhanden Musterverträgen aus Beck-Online, Formularbüchern oder in der Kanzlei bereits vorhandenen Vorlagen. Erst im Laufe der Berufsjahre springt das Bauchgefühl an den richtigen Stellen an, ohne dass man ein Muster vorliegen haben muss. Dennoch schaue selbst ich als gestandener alter Hase noch in Muster rein. Es kann ja immer mal vorkommen, dass man einen wichtigen Punkt übersehen hat, weil man Verträge diesen Inhalts nicht jeden Tag erstellt.
Bitte um ein Gespräch und frage nach bereits vorhandenen Musterverträgen in der Kanzlei. Bzw. Zwischenfrage: sollst du Musterverträge erstellen oder einen konkreten, auf den Fall zugeschnittenen Vertrag?
Wenn ihr weder vorhandene Musterverträge noch Beck-Online habt, empfehle ich dir, dir ein Formularbuch auf eigene Kosten zuzulegen. Es gibt welche, für konkrete Rechtsgebiete, aber auch welche, die zu vielen Rechtsgebieten überschlagsartig etwas beinhalten.
Ob du kündigen sollst oder nicht, kannst nur du entscheiden. Der Einstieg ist für die meisten nicht ganz einfach und die Unsicherheit am Anfang normal. Wenn der Rest in der Kanzlei stimmt, würde ich mich daher nicht komplett von der Unsicherheit bestimmen lassen, sondern schauen, ob sie sich legt. Wie gesagt, hole dir ein Formularbuch und mit der Zeit wirst du sicherer werden, was die Prüfung von Verträgen betrifft.
Ich hoffe und gehe zudem davon aus, dass jemand deine Entwürfe prüft? Wenn nicht, bitte darum, dass dies getan wird. Es ist keine Schande, am Anfang noch nicht alles zu wissen und zu können.
30.11.2025, 16:01
Kannst Du jemanden aus einer Abteilung fragen, für die der Vertrag geschlossen wird? Vielleicht hilft es, wenn Du ein bisschen mehr tatsächliche Umstände und was zur Umsetzung in der Praxis erfährst, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Regelungen vielleicht suboptimal sind bzw. in der Praxis zu Problemen führen können. Wäre jetzt meine Idee.
30.11.2025, 16:53
(30.11.2025, 15:29)Egal_ schrieb: Habt ihr Beck-Online? Scheint nicht der Fall zu sein, wenn du Google bemühst.
Ich würde das Gespräch suchen. Vertragsprüfung ohne juristische Hilfsmittel ist eigentlich kein Thema, was man einem Berufseinsteiger geben sollte. Am Anfang orientiert man sich in der Regel an vorhanden Musterverträgen aus Beck-Online, Formularbüchern oder in der Kanzlei bereits vorhandenen Vorlagen. Erst im Laufe der Berufsjahre springt das Bauchgefühl an den richtigen Stellen an, ohne dass man ein Muster vorliegen haben muss. Dennoch schaue selbst ich als gestandener alter Hase noch in Muster rein. Es kann ja immer mal vorkommen, dass man einen wichtigen Punkt übersehen hat, weil man Verträge diesen Inhalts nicht jeden Tag erstellt.
Bitte um ein Gespräch und frage nach bereits vorhandenen Musterverträgen in der Kanzlei. Bzw. Zwischenfrage: sollst du Musterverträge erstellen oder einen konkreten, auf den Fall zugeschnittenen Vertrag?
Wenn ihr weder vorhandene Musterverträge noch Beck-Online habt, empfehle ich dir, dir ein Formularbuch auf eigene Kosten zuzulegen. Es gibt welche, für konkrete Rechtsgebiete, aber auch welche, die zu vielen Rechtsgebieten überschlagsartig etwas beinhalten.
Ob du kündigen sollst oder nicht, kannst nur du entscheiden. Der Einstieg ist für die meisten nicht ganz einfach und die Unsicherheit am Anfang normal. Wenn der Rest in der Kanzlei stimmt, würde ich mich daher nicht komplett von der Unsicherheit bestimmen lassen, sondern schauen, ob sie sich legt. Wie gesagt, hole dir ein Formularbuch und mit der Zeit wirst du sicherer werden, was die Prüfung von Verträgen betrifft.
Ich hoffe und gehe zudem davon aus, dass jemand deine Entwürfe prüft? Wenn nicht, bitte darum, dass dies getan wird. Es ist keine Schande, am Anfang noch nicht alles zu wissen und zu können.
+1
Arbeit mit Verträgen ist zum Großteil Arbeit mit Mustern. Also frag deine Kollegen, ob sie gute Muster haben. Dann kannst du vergleichen und gucken wo es Unterschiede gibt und ob die sinnvoll zu sein scheinen.
Ansonsten grundsätzlich: immer fragen. Und mit der Zeit wächst du auch rein. Viel Glück :)
30.11.2025, 20:52
Du musst ein Gefühl für typische Fallstricke und Probleme eines Rechtsgebietes haben, beispielsweise schwer einzuhaltende Formvorschriften oder dispositive Regelungen, die man abbedingen will. Das setzt Erfahrung im Rechtsgebiet voraus, die du noch gar nicht haben kannst. Daher am besten wie gesagt Formularbücher anschauen und überlegen, warum es dort so und nicht anders gemacht wurde. Und wer arbeiten soll, braucht geeignetes Werkzeug. In der Produktion würde auch niemand ohne Maschinen arbeiten sollen.
30.11.2025, 21:25
(30.11.2025, 20:52)Praktiker schrieb: Du musst ein Gefühl für typische Fallstricke und Probleme eines Rechtsgebietes haben, beispielsweise schwer einzuhaltende Formvorschriften oder dispositive Regelungen, die man abbedingen will. Das setzt Erfahrung im Rechtsgebiet voraus, die du noch gar nicht haben kannst. Daher am besten wie gesagt Formularbücher anschauen und überlegen, warum es dort so und nicht anders gemacht wurde. Und wer arbeiten soll, braucht geeignetes Werkzeug. In der Produktion würde auch niemand ohne Maschinen arbeiten sollen.
Zu den wichtigsten Punkten gibt es unter dem Vertrag in der Regel eine Kommentierung. Dennoch können eigene Überlegungen natürlich nicht schaden, um ein Gefühl für das Rechtsgebiet zu bekommen. Deswegen ist ein Formularbuch für den Berufsstart eine gute Investition. Wenn die Kanzlei es bezahlt, umso besser (=> nachfragen).
30.11.2025, 21:58
Das Arbeitsschema "Mach mal" ohne dass einem entsprechendes Material zur Hand gelegt wird, kenn ich bis jetzt nur von kleineren Kanzleien.
Meiner Meinung nach ein absolutes Unding. Insbesondere, wenn man auf Google "verwiesen" wird. Sowas verursacht bei mir gewisse Bauchschmerzen, wenn ein Ahnungsloser zu einem anderen Ahnungslosen geht, der ihm dann später fürs Googeln eine saftige Rechnung ausstellt.
Meiner Meinung nach ein absolutes Unding. Insbesondere, wenn man auf Google "verwiesen" wird. Sowas verursacht bei mir gewisse Bauchschmerzen, wenn ein Ahnungsloser zu einem anderen Ahnungslosen geht, der ihm dann später fürs Googeln eine saftige Rechnung ausstellt.



