13.10.2025, 23:29
Danke für die vielen Rückmeldungen! Welche Gerichtsbarkeit würdet ihr empfehlen, wenn man möglichst wenige mündliche Verhandlungen haben möchte -nicht aus Angst vor Menschen, sondern weil es einfach anstrengender ist?
14.10.2025, 20:59
Also du kannst es dir in der ordentlichen ja grundsätzlich nicht aussuchen, ob du ans LG oder ans AG kommst. Am AG musst du verhandeln weil du sonst nicht auf deine Erledigungszahlen kommst. Ich habe in Straf am AG zB 6-8 Verhandlungen pro Woche. In Zivil hatte ich je Sitzungstag auch mehrere, zumeist kurze Termine. Da kann man schon auch mal was schriftlich erledigen (Vergleich oder 495a) aber oftmals klappt es besser wenn man im Termin miteinander spricht.
Wenn du solch einen Arbeitsalltag scheust, würde ich mir von vornherein etwas anderes suchen. Ein Richter muss meines Erachtens mit den Leuten sprechen können und wollen.
Wenn du solch einen Arbeitsalltag scheust, würde ich mir von vornherein etwas anderes suchen. Ein Richter muss meines Erachtens mit den Leuten sprechen können und wollen.
15.10.2025, 14:09
Ich würde behaupten: introvertiert=/=introvertiert
Es gibt Introvertierte / ruhige Typen, die einfach nur dann ihren Mund aufmachen, wenn sie was zu sagen haben, weil es nicht ihr Naturell ist, tagein tagaus übers Wetter zu quatschen oder über dies und das zu tratschen --> hier sehe ich gar kein Problem, denn als Richter hat man ja was zu sagen
Dann gibt es Introvertierte, die eine Art Sozialphobie haben, generell Angst haben vor anderen zu sprechen usw --> das ist ein ernsthaftes Problem
Vielleicht mal an die Schulzeit zurückgedacht: Es gab schüchterne Leute, die dann aber die besten Referate gehalten haben (Typ 1) und es gab Leute, die sich davor in die Hosen gemacht haben (Typ 2)
Es gibt Introvertierte / ruhige Typen, die einfach nur dann ihren Mund aufmachen, wenn sie was zu sagen haben, weil es nicht ihr Naturell ist, tagein tagaus übers Wetter zu quatschen oder über dies und das zu tratschen --> hier sehe ich gar kein Problem, denn als Richter hat man ja was zu sagen
Dann gibt es Introvertierte, die eine Art Sozialphobie haben, generell Angst haben vor anderen zu sprechen usw --> das ist ein ernsthaftes Problem
Vielleicht mal an die Schulzeit zurückgedacht: Es gab schüchterne Leute, die dann aber die besten Referate gehalten haben (Typ 1) und es gab Leute, die sich davor in die Hosen gemacht haben (Typ 2)
29.10.2025, 14:42
Persönliche Einschätzung zur ordentlichen bei 100% Dezernat:
Zivil am AG: 1 Verhandlungstag die Woche, der aber selten länger als bis 15 Uhr geht, oft auch nur am Vormittag, nicht an jedem Verhandlungstag Beweisaufnahmen.
Ansonsten wenig telefonieren, also vielleicht 1,2 Mal die Woche? Ansonsten hast du komplett deine Ruhe, viel 495a, viel schriftliches Verfahren anordnen, Home Office, Kontakt zu Kollegen nur genau so dosiert wie du magst.
Straf am AG: 2 Verhandlungstage, nahezu immer mit Beweisaufnahmen, die auch mal bis 18 Uhr gehen können, häufiger bist du aber immerhin gegen 16 Uhr fertig mit den Verhandlungen. Jeden Tag telefonieren, mehrfach, empfiehlt sich. Terminabsprachen mit Verteidigern, Rücksprachen mit der Sta, usw.
Problem: du musst als ProberichterIn regelmäßig beides machen... auch Familie und Betreuung hat viel Menschenkontakt, so wie ich das bei Kollegen sehe - Familie zwei Verhandlungstage, die wohl intensiv sind, Betreuung keine Verhandlungen aber 2x in der Woche auswärts Anhörungen.
Nur Zivil ist wenig.
Ich hab im Strafrecht angefangen, obwohl ich definitiv introvertiert bin (kann mich ausschließlich allein erholen, Menschen sind immer auch anstrengend für mich, egal wie sehr ich sie mag). Zivil finde ich jetzt leider sehr langweilig im Verhältnis. Aber ruhiger, weniger Menschen, freier, ist es irgendwie schon.
Zivil am AG: 1 Verhandlungstag die Woche, der aber selten länger als bis 15 Uhr geht, oft auch nur am Vormittag, nicht an jedem Verhandlungstag Beweisaufnahmen.
Ansonsten wenig telefonieren, also vielleicht 1,2 Mal die Woche? Ansonsten hast du komplett deine Ruhe, viel 495a, viel schriftliches Verfahren anordnen, Home Office, Kontakt zu Kollegen nur genau so dosiert wie du magst.
Straf am AG: 2 Verhandlungstage, nahezu immer mit Beweisaufnahmen, die auch mal bis 18 Uhr gehen können, häufiger bist du aber immerhin gegen 16 Uhr fertig mit den Verhandlungen. Jeden Tag telefonieren, mehrfach, empfiehlt sich. Terminabsprachen mit Verteidigern, Rücksprachen mit der Sta, usw.
Problem: du musst als ProberichterIn regelmäßig beides machen... auch Familie und Betreuung hat viel Menschenkontakt, so wie ich das bei Kollegen sehe - Familie zwei Verhandlungstage, die wohl intensiv sind, Betreuung keine Verhandlungen aber 2x in der Woche auswärts Anhörungen.
Nur Zivil ist wenig.
Ich hab im Strafrecht angefangen, obwohl ich definitiv introvertiert bin (kann mich ausschließlich allein erholen, Menschen sind immer auch anstrengend für mich, egal wie sehr ich sie mag). Zivil finde ich jetzt leider sehr langweilig im Verhältnis. Aber ruhiger, weniger Menschen, freier, ist es irgendwie schon.


