18.08.2025, 21:29
Hallo Zusammen,
ich möchte hier kurz meine Erfahrungen mit dem EVD und Wiederholungsversuch nach nicht bestandenem Erstversuch im Examen in Berlin teilen und vielleicht ein paar Personen, die sich gerade in dieser Situation befinden, Mut machen.
Nach dem Erstversuch im 2. Staatsexamen der Schock: Nicht bestanden! Natürlich war ich sehr enttäuscht und überaus traurig, dass es nach all den Jahren Lernen und Ausbildung nicht geklappt hat. Die Nachricht habe ich ein paar Tage sacken lassen. Kurze Zeit später habe ich mich noch einmal aufgerafft und mich zum intensiven Lernen motiviert. Angefangen habe ich damit, zu analysieren, woran es lag. Die Zeit vor dem Erstversuch war leider geprägt von mehreren persönlichen Problemen, Schicksalsschlägen und zu viel Arbeit. Aus diesem Grund habe ich versucht, all diese Faktoren beiseite zu schieben und aufgehört zu arbeiten, um mich hundertprozentig auf die Vorbereitung für den zweiten Versuch zu fokussieren.
Ich habe mir dann einen Lernplan erstellt, den ich allerdings nach dem ersten Lern-Monat schon wieder verworfen hatte. In dieser Zeit habe ich nämlich gemerkt, dass mir das stupide lernen des theoretischen Stoffes nichts bringt und das Schreiben von Übungsklausuren den größten Lerneffekt hatte. Deshalb bin ich dazu übergegangen die Klausuren aus dem Klausurenkurs, der vom Kammergericht bereitgestellt wird, mitzuschreiben und die Klausuren aus dem Archiv durchzuarbeiten. Nach Beginn des EVD habe ich begleitend auch die Kaiser-Skripte durchgearbeitet, um das Wissen, dass dort vermittelt wurde, zu festigen. Hierzu ist natürlich zu sagen, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, welcher Weg der beste ist und welche Vorgehensweise für ihn/sie am effektivsten ist.
Zum EVD muss ich sagen, dass das die beste Ausbildung war, die ich im Rahmen des Refs bekommen habe. Alle wichtigen Themen wurden step by step von den AG-Leitern vermittelt, sodass man endlich ein systematisches Verständnis für alle Rechtsgebiete entwickelte und auch ein Gefühl für die Klausuren. Auch wurde uns dort beigebracht, wie man an die Klausuren herrangeht und das Große und Ganze sieht, sich nicht in Einzelheiten verliert. Für die Einzelheiten ist im Zweifel der Kommentar da. Auch deshalb ist die Arbeit mit dem Kommentar unerlässlich, um sich darin orientieren zu können, ohne zu viel Zeit zu verlieren. Das A und O für die Prüfungsvorbereitung sind die Basics - darauf sollte man sich konzentrieren. Wenn diese sitzen, kann einem eigentlich nichts mehr passieren. Insgesamt war die Zeit des EVD sogar eine schöne Zeit, in der man seine Wahrnehmungen und Ängste mit Gleichgesinnten teilen konnte. Und es war auch ein wenig beruhigend, dass es nicht nur mir so ging.
Was nicht zu unterschätzen ist, ist das Mindset vor und während der Klausuren. Im Erstversuch ging es mir sowohl mental als auch körperlich nicht gut. Ich bin jeden Morgen mehr oder weniger lustlos zu den Klausuren gefahren, hatte auch große Prüfungsangst. Wahrscheinlich auch, weil ich wusste, unzureichend auf die Klausuren vorbereitet gewesen zu sein.
Im Zweitversuch habe ich es geschafft, mich ganz anders einzustellen. Ich war (komischerweise) gut gelaunt, habe darauf geachtet ausreichend zu schlafen, gut zu essen und habe zwischen den Klausuren nicht gelernt. Meine Prüfungsangst war zwar immernoch irgendwo da, aber nicht mehr so präsent.
Und siehe da: Einige Zeit später die erlösende Nachricht - bestanden! Nun bin ich durch und freue mich auf die kommende Zeit. Ich bin sehr gespannt wie es weitergeht. Jedenfalls ist ein großer Meilenstein geschafft.
Was ich damit sagen möchte: Gebt nicht auf, nehmt die Möglichkeiten wahr, die Euch gegeben werden - es lohnt sich und ihr könnt das schaffen! Es ist ein langer und schwerer Weg, aber am Ende wird alles gut!
ich möchte hier kurz meine Erfahrungen mit dem EVD und Wiederholungsversuch nach nicht bestandenem Erstversuch im Examen in Berlin teilen und vielleicht ein paar Personen, die sich gerade in dieser Situation befinden, Mut machen.
Nach dem Erstversuch im 2. Staatsexamen der Schock: Nicht bestanden! Natürlich war ich sehr enttäuscht und überaus traurig, dass es nach all den Jahren Lernen und Ausbildung nicht geklappt hat. Die Nachricht habe ich ein paar Tage sacken lassen. Kurze Zeit später habe ich mich noch einmal aufgerafft und mich zum intensiven Lernen motiviert. Angefangen habe ich damit, zu analysieren, woran es lag. Die Zeit vor dem Erstversuch war leider geprägt von mehreren persönlichen Problemen, Schicksalsschlägen und zu viel Arbeit. Aus diesem Grund habe ich versucht, all diese Faktoren beiseite zu schieben und aufgehört zu arbeiten, um mich hundertprozentig auf die Vorbereitung für den zweiten Versuch zu fokussieren.
Ich habe mir dann einen Lernplan erstellt, den ich allerdings nach dem ersten Lern-Monat schon wieder verworfen hatte. In dieser Zeit habe ich nämlich gemerkt, dass mir das stupide lernen des theoretischen Stoffes nichts bringt und das Schreiben von Übungsklausuren den größten Lerneffekt hatte. Deshalb bin ich dazu übergegangen die Klausuren aus dem Klausurenkurs, der vom Kammergericht bereitgestellt wird, mitzuschreiben und die Klausuren aus dem Archiv durchzuarbeiten. Nach Beginn des EVD habe ich begleitend auch die Kaiser-Skripte durchgearbeitet, um das Wissen, dass dort vermittelt wurde, zu festigen. Hierzu ist natürlich zu sagen, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, welcher Weg der beste ist und welche Vorgehensweise für ihn/sie am effektivsten ist.
Zum EVD muss ich sagen, dass das die beste Ausbildung war, die ich im Rahmen des Refs bekommen habe. Alle wichtigen Themen wurden step by step von den AG-Leitern vermittelt, sodass man endlich ein systematisches Verständnis für alle Rechtsgebiete entwickelte und auch ein Gefühl für die Klausuren. Auch wurde uns dort beigebracht, wie man an die Klausuren herrangeht und das Große und Ganze sieht, sich nicht in Einzelheiten verliert. Für die Einzelheiten ist im Zweifel der Kommentar da. Auch deshalb ist die Arbeit mit dem Kommentar unerlässlich, um sich darin orientieren zu können, ohne zu viel Zeit zu verlieren. Das A und O für die Prüfungsvorbereitung sind die Basics - darauf sollte man sich konzentrieren. Wenn diese sitzen, kann einem eigentlich nichts mehr passieren. Insgesamt war die Zeit des EVD sogar eine schöne Zeit, in der man seine Wahrnehmungen und Ängste mit Gleichgesinnten teilen konnte. Und es war auch ein wenig beruhigend, dass es nicht nur mir so ging.
Was nicht zu unterschätzen ist, ist das Mindset vor und während der Klausuren. Im Erstversuch ging es mir sowohl mental als auch körperlich nicht gut. Ich bin jeden Morgen mehr oder weniger lustlos zu den Klausuren gefahren, hatte auch große Prüfungsangst. Wahrscheinlich auch, weil ich wusste, unzureichend auf die Klausuren vorbereitet gewesen zu sein.
Im Zweitversuch habe ich es geschafft, mich ganz anders einzustellen. Ich war (komischerweise) gut gelaunt, habe darauf geachtet ausreichend zu schlafen, gut zu essen und habe zwischen den Klausuren nicht gelernt. Meine Prüfungsangst war zwar immernoch irgendwo da, aber nicht mehr so präsent.
Und siehe da: Einige Zeit später die erlösende Nachricht - bestanden! Nun bin ich durch und freue mich auf die kommende Zeit. Ich bin sehr gespannt wie es weitergeht. Jedenfalls ist ein großer Meilenstein geschafft.
Was ich damit sagen möchte: Gebt nicht auf, nehmt die Möglichkeiten wahr, die Euch gegeben werden - es lohnt sich und ihr könnt das schaffen! Es ist ein langer und schwerer Weg, aber am Ende wird alles gut!
22.08.2025, 10:28
Danke für deinen Beitrag und Glückwunsch zum bestandenen Examen!
Wenn ich die Frage stellen darf, woran hat es gelegen bzw. was war der Grund in den Klausuren, dass du die meisten Klausuren nicht bestanden hast? Hätte gerne eine Vorstellung davon, wann man eine Klausur nicht besteht. Weil zB die Aussage "praktisch nicht verwertbar" meistens schwer zu greifen ist. Also klar, wenn die Klausur nicht vollständig ist weil zB die Anklageschrift in der S1 Klausur oder ein Schriftsatz in der Anwaltsklausur fehlt, ist Klausur in der Praxis nicht verwertbar. Würde mich freuen, wenn du vlt ein paar Beispiele aus deinen Klausuren nennen könntest. Aber kann natürlich auch verstehen, wenn du das nicht möchtest.
Wenn ich die Frage stellen darf, woran hat es gelegen bzw. was war der Grund in den Klausuren, dass du die meisten Klausuren nicht bestanden hast? Hätte gerne eine Vorstellung davon, wann man eine Klausur nicht besteht. Weil zB die Aussage "praktisch nicht verwertbar" meistens schwer zu greifen ist. Also klar, wenn die Klausur nicht vollständig ist weil zB die Anklageschrift in der S1 Klausur oder ein Schriftsatz in der Anwaltsklausur fehlt, ist Klausur in der Praxis nicht verwertbar. Würde mich freuen, wenn du vlt ein paar Beispiele aus deinen Klausuren nennen könntest. Aber kann natürlich auch verstehen, wenn du das nicht möchtest.
25.08.2025, 00:42
Lieben Dank!
Ich glaube das lässt sich so nicht pauschalisieren. Rückblickend lag es wohl am fehlenden Verständnis für die Systematik, also: wie baue ich meine Klausurlösung sinnvoll auf. Die Basics saßen nicht sicher genug. Ansonsten wurde oftmals die Begründungstiefe bemängelt, was aber - laut AG-Leitern - nicht zum Durchfallen führen dürfte, da dies das letzte Bewertungskriterium ist, das man sich anschaut, wenn das Grundgerüst stimmt.
Wichtig ist auch, dass vieles leider auch vom Glück abhängt. Liegt mir der Sachverhalt, kann ich damit umgehen, wie ist meine körperliche und mentale Verfassung während der Klausuren, welcher Korrektor schaut sich meine Klausur an.
Ich glaube das lässt sich so nicht pauschalisieren. Rückblickend lag es wohl am fehlenden Verständnis für die Systematik, also: wie baue ich meine Klausurlösung sinnvoll auf. Die Basics saßen nicht sicher genug. Ansonsten wurde oftmals die Begründungstiefe bemängelt, was aber - laut AG-Leitern - nicht zum Durchfallen führen dürfte, da dies das letzte Bewertungskriterium ist, das man sich anschaut, wenn das Grundgerüst stimmt.
Wichtig ist auch, dass vieles leider auch vom Glück abhängt. Liegt mir der Sachverhalt, kann ich damit umgehen, wie ist meine körperliche und mentale Verfassung während der Klausuren, welcher Korrektor schaut sich meine Klausur an.
25.08.2025, 00:51
Ergänzend dazu noch: Ich bin im Erstversuch auch immer fertig geworden, inkl. Schriftsatz, Anklageschrift usw. Habe trotzdem nicht bestanden. Ich hatte kein gutes Gefühl nach den Klausuren, also ich wusste irgendwie schon, dass das nichts geworden ist, weil ich auch während des Schreibens total unsicher war. Das war im zweiten Durchlauf ganz anders. Es viel mir viel leichter einen Überblick über den SV zu bekommen. Es lag klar daran, dass ich viel geübter war im Klausurenschreiben.